Eltern fragen - SCHAU HIN! gibt Tipps

Hier schildern Eltern alltägliche Familiensituationen rund um das Thema Kinder und Medien und ihre eigenen Wege, diese zu lösen. Der anschließende SCHAU HIN! Tipp zeigt, welcher Lösungsweg empfehlenswert ist und was Eltern beachten sollten. Haben Sie noch Fragen? Dann wenden Sie sich an SCHAU HIN! Mediencoach Kristin Langer.

Handy: „Was mach‘ ich, wenn…

… alle Kinder ein Handy, Konsole oder Fernseher haben, nur meine Kinder nicht?“

E1: Meine Tochter (acht) möchte einen Nintendo. Ich bekomme zu hören: „Alle in meiner Klasse haben einen, nur ich nicht!“ Ich will ihr jetzt aber keinen Nintendo kaufen, das kostet ja auch einiges an Geld. Ist das richtig oder bin ich zu geizig?  

E2: Wenn angeblich alle anderen Kinder einen haben, dann gibt es doch bestimmt eine gute Freundin, die ihrer Tochter ihren Nintendo mal ein paar Tage leihen kann. So haben wir das gemacht, dann konnte ich wenigstens sicher sein, dass das Interesse am Nintendo keine Eintagsfliege ist.

E3: Das haben wir auch gemacht. Unser Sohn musste außerdem auf seinen Nintendo sparen. Damit er merkt, die Dinge gibt es nicht einfach so, Geld schneit nicht vom Himmel. Das hat er auch konsequent durchgezogen.


Tipp SCHAU HIN!:
Bloß weil alle anderen Kinder angeblich schon einen Nintendo haben, müssen Eltern sich nicht verpflichtet fühlen, ihren Kindern auch so ein Gerät zu kaufen. Das gilt auch für andere Spielkonsolen, Handys und Fernseher. Eltern sind auch nicht geizig, wenn sie nicht möchten, dass so ein Gerät ins Haus kommt oder wenn ihnen das Gerät zu teuer ist. Eltern sind für ihre Kinder verantwortlich. Deshalb müssen sie einverstanden sein, wenn ein neues Gerät gekauft werden soll. Das gilt auch für den Fall, dass Kinder sich das Geld für das Gerät selbst zusammensparen.
    
Gut finden wir die Idee, sich von Freunden ein Gerät für ein paar Tage zu leihen. Eltern können dann sehen, ob und wie das neue Gerät den Familienalltag verändert und bereits vor dem Kauf Verabredungen zur Nutzung des Geräts mit ihren Kindern treffen.
 
Sobald Eltern und Kinder beginnen, gemeinsam nach (machbaren) Lösungen zu suchen, geht es um sehr viel mehr, als nur um den Einkauf von Technik. Es entsteht eine Gemeinsamkeit und ein Miteinander zu einem Thema, das die ganze Familie betrifft.

... meine Kinder ein Handy, Konsole oder Fernseher vom eigenen Geld bezahlen und über die Nutzung selbst bestimmen wollen?“

E1: Mein Sohn (zehn) hat sich das Geld für seinen Nintendo selbst zusammengespart. Ich komme mir komisch vor, wenn ich den Gebrauch seines Nintendos wieder einschränke. Der gehört doch ihm.

E2: Ich habe als Mutter oder Vater immer noch eine Fürsorgepflicht. Wenn sich mein Kind von seinem Taschengeld etwas Süßes kauft, achte ich ja auch darauf, dass es nicht zu viel auf einmal davon isst oder nach dem Zähneputzen abends überhaupt nichts mehr davon nimmt. 

E3: Mein Sohn kommt gut damit klar, dass ich ihm das Spielen mit seiner Konsole reglementiere. Was wir abmachen, muss halt zuverlässig sein. Außerdem muss er ja auch lernen, mit dem Frust umzugehen, etwas nicht zu dürfen, was er gerne tun würde. 

E4: An Tagen vor Klassenarbeiten verstecke ich die Spielkonsole. Dann muss ich nicht darum streiten, ob gespielt wird oder nicht.

 

Tipp SCHAU HIN!:

Wenn Kinder für den Kauf eines Geräts selbst ansparen, hat das den positiven Effekt, dass sie lernen: „Es gibt Ziele, die ich mir setzen kann. Und ich muss und kann etwas dafür tun, diese Ziele zu erreichen.“ Außerdem lernen sie dadurch, die Dinge zu schätzen.

Das bedeutet aber nicht, dass sie alleine darüber entscheiden können, wann und wie lange sie das Gerät nutzen. Diese Vereinbarung müssen sie nach wie vor mit ihren Eltern treffen. Das sollte am besten schon vor dem Kauf besprochen und verabredet werden. So machen Eltern ihren Kindern von vornherein klar: Ihr dürft euch das Gerät kaufen, aber was ihr damit spielt, wann und wie lange, das müsst ihr mit uns Eltern absprechen.

Das Verstecken der Spielkonsole ist keine Lösung auf Dauer. Eltern müssen die Auseinandersetzungen darüber, wie lange gespielt wird, führen und ihre Vorstellungen auch konsequent durchsetzen.

… sich Kinder ein modernes Handy, ein Smartphone zum Geburtstag wünschen?“

E1: Mein Sohn (elf) wünscht sich zum Geburtstag ein Handy – am liebsten natürlich so ein ganz modernes mit Touchpad und Internetzugang. Das hätten ja ganz viele in seiner Klasse. Ich finde aber, ein ganz einfaches würde in seinem Alter auch reichen. Bin ich da zu altmodisch oder zu geizig?

E2: In der Klasse meines Sohnes haben schon sehr viele Kinder ein neues Handy. Wir haben auch auf einem Elternabend darüber gesprochen und die Eltern finden das ganz normal. Mein Sohn spart jetzt und möchte sich dann von dem Geld ein Smartphone kaufen. Am liebsten würde ich es ihm aber trotzdem verbieten, obwohl es dann sein Geld ist.

E3: Ich sehe nicht ein, warum mein Kind unbedingt ein Handy haben muss. Früher hatten wir doch auch keins, und wir haben es überlebt. Da gab es natürlich auch nicht diesen Druck, dass angeblich alle in der Klasse schon ein Handy haben. Aber reicht das als Grund aus, dass alle Kinder ein Handy bekommen?

Tipp SCHAU HIN!

Viele Kinder finden Smartphones schick und hätten gerne eins. Den Eltern geht es manchmal ja genauso. Smartphones bieten viele Möglichkeiten – aber auch mehr Risiken. Worauf Eltern achten müssen, zeigt die SCHAU HIN! Simple Show zum Thema Medienkonvergenz. SCHAU HIN! rät: Lassen Sie für Kinder den Internetzugang sperren. Achtung: Informieren Sie sich vorab, ob Sie bei dem Smartphone den Internetzugang mittels Passwort sperren lassen können. So können Sie verhindern, dass sie Internetseiten mit nicht kindgerechten Inhalten aufrufen. Grenzen Sie das Guthaben ein, mit dem Ihre Kinder Apps und Spiele herunterladen können. Treffen Sie vorab klare Vereinbarungen, was Ihr Kind mit dem Smartphone machen und was das kosten darf.  

Eltern sollten sich generell die Frage stellen, ob Ihr Kind ein Handy braucht und wozu. Wenn Kinder unterwegs sind, geben Handys Sicherheit. Geschieht etwas Unerwartetes, können sie zu Hause nachfragen, was sie in dieser Situation machen sollen.

Weitere Tipps zur kindgerechten Nutzung von Handys finden Eltern in der Broschüre „Handy ohne Risiko. Mit Sicherheit mobil.“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

… ich mein Kind über Handy orten möchte?“

E1: Wir denken gerade darüber nach, eine Handyortung für das Handy unseres Kindes in Anspruch zu nehmen. Das kostet nur einige Euro im Monat und wir hätten die Möglichkeit, im Ernstfall immer zu prüfen, wo unser Kind ist. Wir wollen ihm aber auch nicht das Gefühl geben, dass es immer überwacht wird.

E2: Ich halte das nicht für eine gute Idee. Wenn mal wirklich etwas passieren sollte, hat auch die Polizei die Möglichkeit, das Handy zu orten. Und ansonsten ist es doch wichtiger, ein Vertrauensverhältnis zum Kind aufzubauen, damit es nicht verschweigt, wo es sich aufhält.

E3: Ich meine auch, dass man das Geld dafür sparen kann. So eine Überwachung zerstört Vertrauen, und trotzdem gibt es keine hundertprozentige Sicherheit für das Kind dadurch.

 

Tipp SCHAU HIN!:

Handyortung ist ein sensibles Thema, mit dem Eltern sehr vorsichtig sein sollten. SCHAU HIN! rät dringend davon ab, eine Handyortung dafür zu nutzen, ständig zu überprüfen, wo sich die Kinder aufhalten. Eltern wollen ja, dass ihre Kinder verlässliche Menschen werden und lernen, Absprachen einzuhalten.

… beim Essen ständig Handy, Nintendo oder Fernseher im Einsatz sind?“

E1: Meine Tochter ist dreizehn und hat ein eigenes Handy. Wenn wir gemeinsam essen, ist sie damit beschäftigt, mit ihren Freundinnen SMS auszutauschen, das sei jetzt wichtig und könne nicht verschoben werden, meint sie. Mich stört das, ich würde es eigentlich gerne verbieten. Ist das richtig?

E2: Mich stört das auch, meinen Mann aber nicht so sehr. Wenn beim Essen das Telefon klingelt, geht er ja auch ran und führt längere Gespräche.

E3: Das Handy ist bei uns kein Problem, dafür spielt mein Sohn liebend gerne mit seinem Nintendo beim Essen. Ich finde es schade, dass wir das Essen nicht dazu nutzen, uns miteinander zu unterhalten. Aber ich möchte auch nicht, dass es jedes Mal Streit wegen des Nintendos gibt.

Tipp SCHAU HIN!

Das gemeinsame Essen ist für Kinder ein wichtiges Familienerlebnis. Sie erleben dabei Geborgenheit und können sich mit Geschwistern und Familie austauschen. Eltern sollten die gemeinsamen Mahlzeiten als Familienzeit aufrecht erhalten und schützen.

„Störer“ wie das Handy, die Spielkonsole oder der Fernseher sollten dabei ausgeschaltet bleiben. Das gilt für Kinder wie für Eltern. Wenn beim Essen das Telefon klingelt, sollten Eltern Vorbild sein. Sie können die Anrufer bitten, zu einem späteren Zeitpunkt nochmal anzurufen oder einfach gleich den Anrufbeantworter einschalten und nach dem Essen abhören. Je konsequenter Sie sich an diese Regel halten, desto besser können Sie diese auch gegenüber Ihren Kindern durchsetzen, was Sie unbedingt tun sollten.

… mein Kind seinen Klingelton nicht leiser stellen möchte?“

E1: Unser Sohn (elf) hat seit kurzem ein eigenes Handy. Als Klingelton hat er sich ein Lied aus den aktuellen Charts eingestellt. In der Öffentlichkeit lässt er es gerne laut und lange klingeln. Das nervt uns und die Menschen um ihn herum. Wir haben ihn schon gebeten, den Klingelton anders einzustellen. Aber er weigert sich. Ist es ok, wenn wir ihm das Handy wegnehmen, wenn er den Ton nicht leise stellt?

E2: Wir haben das so gemacht. Bei unserer Tochter (zwölf) haben wir das Handy einkassiert, weil sie den nervigen Klingelton nicht anders einstellen wollte. Nach einer Woche war das Thema erledigt. Sie hat ihr Handy wieder, aber der Klingelton ist jetzt leise.

E3: Bei meinem Sohn (zwölf) ist das Problem leider noch größer. Er kann mit seinem Handy nämlich Musik hören. Das macht er auch, im Bus, in der Straßenbahn. Und zwar laut, so dass alle mithören müssen. Ob sie wollen oder nicht. Ich habe ihm das Handy auch schon weggenommen. Aber er hat sich von seinen Großeltern ein neues gewünscht und prompt bekommen. Wenn ich ihm das wieder wegnehme, sind die mir böse.

Tipp SCHAU HIN!:
Eltern sollten ihren Kindern vermitteln, dass man auf andere Rücksicht nimmt. Dazu gehört auch, dass sie mit ihren Handys andere Menschen nicht belästigen. Deshalb sollten Eltern immer wieder darauf hinweisen, dass man mit Handys über den Lautsprecher nicht laut Musik hört oder den Klingelton ewig klingeln lässt, dort wo es andere stört. In den Situationen, wo lautes Handyklingeln stört, wie z.B. beim Mittagessen oder in der Schule, sollte das Handy lautlos gestellt werden. Eltern sollten ihren Kindern auch erklären, dass es legitim ist, das Handy nach dem ersten Klingeln einfach auf stumm zu schalten, wenn man nicht rangehen möchte. So kann verhindert werden, dass es minutenlang laut weiterklingelt. Hilft das nicht, ist es völlig in Ordnung, wenn das Handy mal eine Weile eingezogen wird. So können Eltern zeigen, dass es ihnen ernst damit ist.

Das sollten sie auch den Großeltern ihres Kindes erklären. Kommt es dabei zum Konflikt, sollten Eltern diesen Konflikt aushalten. Aber die Großeltern der Kinder können sicher verstehen, dass niemandem damit geholfen ist, wenn die Kinder andere Menschen belästigen.

… ich die neuen Angebote auf dem Medienmarkt gar nicht mehr verstehe?“

E1: Ständig kommen neue technische Geräte und Anwendungen auf den Markt, die ich zum Teil gar nicht verstehe. Ich habe oft das Gefühl, dass mein Sohn (zwölf) sich besser auskennt als ich. Besonders wenn es um Spiele, Handys oder Computer geht.

E2: Mir geht das auch oft so. Aber für mich ist ganz klar: Was ich nicht verstehe, kommt mir nicht ins Haus. Meine Kinder müssen ja auch nicht gleich alles haben, was neu auf den Markt kommt.

E3: Ich gehe manchmal mit meiner Tochter (elf) in die entsprechenden Geschäfte und lass mir von ihr erklären, was es so Neues gibt. Sie findet das toll, wenn sie mir das zeigen kann und mehr weiß als ich. Ob die Sachen dann alle sinnvoll sind oder nicht, weiß ich dann natürlich noch nicht. Das ist manchmal sehr schwer einzuschätzen.

Tipp SCHAU HIN!

Kinder bekommen oft sehr rasch mit, wenn etwas Neues auf dem Markt ist. Und sie finden diese neuen Dinge meist toll und wollen sie gerne haben – da sind sie nicht anders als Erwachsene.

Die Idee, sich von den Kindern erklären zu lassen, welche Neuigkeiten es gibt und wie die funktionieren, ist eine schöne Idee. Aber sie sollte nicht die Grundlage für eine Kaufentscheidung sein.

Bevor Eltern ein neues Gerät oder ein neues Spiel kaufen, sollten sie sich darüber klar werden, ob sie das Geld dafür überhaupt ausgeben möchten und können. Zudem sollten sie die zahlreichen Informationsangebote wahrnehmen, bei denen Sie sich informieren können, ob ein Angebot für Kinder geeignet ist oder nicht. Im SCHAU HIN! Initiativen-Atlas finden Sie Institutionen, die Ihnen weiterhelfen können.

Darüber hinaus können sich Eltern bei Freunden und Bekannten über neue Geräte erkundigen. Vielleicht besitzen sie das fragliche Gerät ja schon. Dann können Eltern gleich fragen, ob die Anschaffung sich bewährt hat, ob sie den Familienalltag verändert hat und ob das Interesse der Kinder an dem neuen Gerät anhält. Wenn die Freunde das Gerät für ein paar Tage verleihen, können Eltern mit ihren Kindern ausprobieren, ob das Gerät für die Kinder geeignet ist und ob das Interesse länger als ein paar Tage anhält.

Wenn Eltern unsicher sind, ob etwas für ihr Kind geeignet ist, sollten sie von einer Anschaffung absehen.

Hinweise zur Nutzung

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Damit Sie die Gespräche verfolgen können, haben wir die Beiträge der Eltern durch ein E kenntlich gemacht. Die Kürzel E1, E2 und E3 stehen also für drei verschiedene Eltern, die sich zur jeweiligen Frage geäußert haben.


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