Experteninterview zu Kinder und soziale Netzwerke

Internet

02.12.2011

Experteninterview zu Kinder und soziale Netzwerke

Gespräch mit Katja Knierim von jugendschutz.net: Was Kinder an sozialen Netzwerken fasziniert, welche Risiken damit verbunden sind und warum kindgerechte soziale Netzwerke eine sichere Alternative bieten.

SCHAU HIN!: Was finden Kinder eigentlich so spannend an sozialen Netzwerken?

Katja Knierim: Kinder möchten sich über Dinge, die sie bewegen, austauschen, möchten sich selbst darstellen und in verschiedenen Rollen ausprobieren – soziale Netzwerke bieten dafür eine ideale Plattform. Denn durch die Vernetzung mit anderen erhalten sie – z.B. in Kommentaren oder Gruppendiskussionen – ein soziales Feedback. Daneben hat die Nutzung auch praktische Gründe: Kinder können leichter mit Freunden in Kontakt bleiben und interessante neue Leute kennenlernen. 

SCHAU HIN!: Welche Risiken sind insbesondere mit sozialen Netzwerken verbunden?

Katja Knierim: In sozialen Netzwerken werden leider nicht bloß harmlose Kontakte geknüpft. Jugendschutz.net recherchiert seit vielen Jahren in Kommunikationsdiensten und stellt dabei immer wieder fest, dass problematische oder gar gefährliche Kontakte, z.B. durch Fremde, die sich Kindern sexuell nähern, in vielen Angeboten an der Tagesordnung sind. Dieses Risiko wird dadurch verstärkt, dass Kinder oft zu viel Privates von sich preisgeben – auch weil soziale Netzwerke eben genau darauf ausgelegt sind. Auch Cybermobbing ist ein großes Problem.
Außerdem speisen sich soziale Netzwerke aus Inhalten, die ihre Nutzer, meist ohne Kontrolle durch den Anbieter, dort einstellen. Darunter sind auch ungeeignete oder gar jugendgefährdende: z.B. Pornografie, rechte Propaganda, exzessive Gewaltdarstellungen.

SCHAU HIN!: Woran erkennen Eltern kindgerechte soziale Netzwerke?

Katja Knierim: Ein hohes Maß an Datensparsamkeit und die Einbeziehung der Eltern bei der Registrierung sind z.B. Qualitätskriterien für ein sicheres Kinderangebot. Riskante Funktionen, wie beispielsweise Chats und Foren oder das Hochladen von Bildern und Videos, werden moderiert bzw. vorab kontrolliert oder gar nicht erst angeboten. Für den Notfall gibt es leicht zu bedienende Alarm- und Melde-Optionen.

SCHAU HIN!: Was können Eltern tun, wenn ihre Kinder trotz eines Verbots ein Profil auf Facebook haben?

Katja Kniriem: Facebook ist eine riesige internationale Plattform und birgt erhebliche Risiken für Kinder – sowohl was die ungeeigneten Inhalte, als auch die gefährlichen Kontakte angeht. Der Schutz vor Konfrontationen und der der persönlichen Daten bleibt größtenteils dem Nutzer selbst überlassen – damit sind Kinder eindeutig überfordert.

Eltern haben das Recht, das Profil ihres Kindes löschen zu lassen, wenn sie mit der Nutzung nicht einverstanden sind. Um Frustrationen zu vermeiden, sollten Eltern jedoch nicht nur Verbote aussprechen. Der Rat: Appellieren Sie an das Verständnis ihres Kindes und erklären Sie ihm, warum Sie sich Sorgen machen. Suchen Sie gemeinsam nach einer sicheren Alternative. Tipps zu kindgerechten sozialen Netzwerken gibt es unter www.chatten-ohne-risiko.net sowie unter www.schau-hin.info in der Rubrik Medienerziehung / „Soziale Netzwerke“.

SCHAU HIN!: Welche Tipps können sie Eltern im Umgang mit sozialen Netzwerken geben?

Katja Knierim: Die erste Regel lautet: Interesse zeigen! Eltern sollten ihre Kinder ins Internet begleiten, sich ihre Lieblingsangebote anschauen und mit ihnen darüber sprechen. Mit einer stabilen Vertrauensbasis fällt es Eltern leichter, die wichtigsten Sicherheitsregeln zu vermitteln und schnell zu reagieren, wenn doch mal etwas Unangenehmes passiert. Neben vielen Informationen und kostenlosen Materialien über Faszination und Risiken von Kommunikationsdiensten finden Sie die wichtigsten Sicherheitstipps unter www.chatten-ohne-risiko.net

Katja Knierim ist Medienwissenschaftlerin und Germanistin. Sie arbeitet bei jugendschutz.net und leitet dort das Referat Chats, Messenger und Communitys. Ihr Referat befasst sich mit den Risiken der Online-Kommunikation. Rechercheergebnisse, Sicherheitstipps und konkrete Angebotsbewertungen präsentiert die Website www.chatten-ohne-risiko.net.

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