Wie nutzen Kinder das Internet?

Internet

29.01.2011

Wie nutzen Kinder das Internet?

Wie nutzen Kinder das Internet? In der Untersuchung „EU Kids Online“ wurden erstmals rund 25.000 Kinder dazu befragt. SCHAU HIN! Beiratsmitglied Dr. Claudia Lampert arbeitet an diesem Projekt mit und hat uns im Interview ein paar Ergebnisse verraten.

In der repräsentativen Untersuchung „EU Kids Online“ wurden erstmals rund 25.000 europäische Kinder zwischen 9 und 16 Jahren aus 25 Ländern und je ein Elternteil zu ihren Erfahrungen im Umgang mit dem Internet befragt. Vor allem Onlinerisiken wie Pornografie, Cybermobbing und Internetkontakte mit nicht persönlich bekannten Personen standen im Fokus der Untersuchung. SCHAU HIN! Beiratsmitglied Dr. Claudia Lampert arbeitet für das Hans-Bredow-Institut im deutschen "EU Kids Online"-Forschungsteam mit und spricht im Interview über die Risiken der Nutzung, aber auch das Potential des Internets, das deutsche Kinder noch nicht immer ausschöpfen.

SCHAU HIN! Was waren die hervorstechendsten Ergebnisse der EU Kids Online Studie, wenn man die Risiken der Internetnutzung betrachtet?

Dr. Claudia Lampert: Ganz allgemein kann man sagen, dass Kinder nicht so häufig mit den Risikobereichen wie Cybermobbing oder sexuellen Inhalten und Belästigungen in Kontakt kommen, wie man es durch die umfangreiche Medienberichterstattung zu diesen Themen erwarten könnte. Immer noch werden Kinder deutlich häufiger im realen Leben, also z.B. auf dem Schulhof, als im Internet gemobbt. Das heißt natürlich nicht, dass man diese Onlinerisiken unterschätzen sollte – im Gegenteil. Viele Eltern wissen gar nicht genau, was ihre Kinder im Internet tun und mit wem sie in Kontakt stehen. Die Eltern gehen häufig von ihrer eigenen Nutzungsgewohnheit aus. Wer nicht chattet oder in sozialen Netzwerken aktiv ist, kann auch nur schlecht beurteilen, auf welche Risiken Kinder dort treffen können. Eltern mischen sich in die Internetnutzung ihrer Kinder meistens nur an zwei Punkten ein: Sie begrenzen die Nutzungsdauer oder sie verbieten bestimmte Inhalte. Risiken können aber auch aus anderen Ecken kommen.  

Wie hat sich die Internetnutzung der Kinder in den letzten Jahren verändert?

Die Kinder sind beim Einstieg in das Internet immer jünger. Die Umfrage hat ergeben, dass Kinder in Deutschland durchschnittlich mit 10 Jahren anfangen, das Internet regelmäßig zu nutzen. In anderen Ländern beginnen die Kinder wesentlich früher. In Schweden beispielsweise schon mit 7 Jahren.
Dieser Trend wird sicherlich weiter gehen, denn es gibt auch immer mehr Angebote für jüngere Kinder. Umso wichtiger ist es, diese Gruppe auch im Blick zu haben und grundsätzlich ist es positiv, wenn die Medienkompetenzförderung schon früh anfängt. Wenn der Wunsch bei den kleineren Kindern da ist, sich mit dem Internet zu beschäftigen, ist es empfehlenswert, sie dabei zu unterstützen und ihnen z.B. altersangemessene Angebote anzubieten. Kinder sollten dann natürlich auch lernen, wie sie mit Risiken und Gefahren im Netz umgehen können und von ihren Eltern von Anfang an begleitet werden.

Unterscheidet sich die Internetnutzung der deutschen Kinder von Kindern in anderen EU-Ländern?

Deutschland gehört eher zu den Ländern, in denen Kinder seltener mit Risiken des Internets in Kontakt kommen. Das liegt aber auch daran, dass die Nutzung geringer ausfällt. Insgesamt werden die Möglichkeiten, die das Netz bietet, in Deutschland nicht so stark genutzt, was sich daran zeigt, dass das Spektrum an Aktivitäten weit weniger vielfältig ist als in anderen Ländern.

Gibt es Schlüsse, die Eltern aus der Befragung ziehen können?

Häufig schätzen Eltern die Risiken, auf die Kinder im Internet treffen, falsch ein oder wissen gar nicht, dass ihre Kinder bereits einmal Erfahrungen mit Cybermobbing oder Belästigungen machen mussten. Auch wenn viele Eltern in der Befragung angaben in der Nähe zu sein, wenn ihre Kinder im Netz surfen, wissen sie nicht immer, was die Kinder dort genau machen. An dieser Stelle müssen Eltern noch mehr sensibilisiert werden. Je fitter man die eigenen Kinder im Umgang mit dem Internet macht, desto besser können sie auch die Möglichkeiten nutzen, die das Netz bietet und mit den Risiken umgehen.


Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Untersuchung „EU Kids Online“ finden Sie unter http://www.hans-bredow-institut.de/webfm_send/521.

Dr. Claudia Lampert ist seit 1999 wissenschaftliche Referentin am Hans-Bredow-Institut. Ihre Themenschwerpunkte sind u.a. Mediensozialisation und Medienpädagogik. Aktuelle Projekte in diesem Bereich befassen sich z.B. mit der Rolle digitaler Medien im Alltag von Kindern und Jugendlichen sowie den Chancen und Risiken der Onlinenutzung.

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