Sandra Dujmovic, SWR
Interview mit Sandra Dujmovic, SWR
Redakteurin Sandra Dujmovic ist verantwortlich für die SWR-Produktion „Netzangriff“ aus der Fernsehfilm-Reihe KRIMI.DE, die erfolgreich im Kinderkanal läuft. Mit SCHAU HIN! sprach sie darüber, warum ihr das Thema Cybermobbing so wichtig ist.
SCHAU HIN!: Im SWR-Krimi „Netzangriff“ steht das Thema Cybermobbing im Mittelpunkt. Warum haben Sie ausgerechnet dieses Thema aufgegriffen?
Sandra Dujmovic: Laut der Studie „Gewalt im Web 2.0“ hat jeder dritte Jugendliche im Alter zwischen 12 und 19 Jahren schon unangenehme Erfahrungen im Internet gemacht. Virtuelle Freundschaftsportale wie facebook, schuelerVZ und MySpace werden immer größer und beliebter, gehören für Jugendliche zum Leben wie der erste Kuss und Liebeskummer. In diesen sozialen Netzwerken geht es aber nicht immer nur nett zu. Cybermobbing lautet die hässliche Bezeichnung für den noch hässlicheren Inhalt. Lästern ist nichts Neues, dass aber böse Nachreden im World Wide Web ihren Platz finden, ist eine neue Dimension und leider ein trauriger Trend. Cybermobbing ist eine neue Form der Gewalt und kann viele Gesichter haben: Beschimpfungen, grobe Beleidigungen, Verleumdungen oder das Verbreiten von Gerüchten. Viele, vor allem junge Menschen, offenbaren im Netz ihr Privatleben in einem Ausmaß, das den Missbrauch einfach macht. „Netzangriff“ zeigt, dass es keine tiefere Motivation braucht, um einen solchen Missbrauch zu begehen. Das Vorhandensein der Möglichkeit und die Aussicht auf ein bisschen Spaß sind für die jugendlichen Täter oft Motivation genug.
SCHAU HIN!: Welche Botschaften möchten Sie den Zuschauern mit diesem Film mitgeben?
Sandra Dujmovic: Cybermobbing zeigt wie wichtig Aufklärung ist, und zwar nicht nur für die Opfer, sondern auch für die Täter. Die wissen vielleicht, dass ihr Handeln moralisch verwerflich ist. Wenn Jugendliche beispielsweise Gerüchte und Verleumdungen verbreiten oder Fotos Dritter ins Netz stellen, machen sie sich vermutlich keine Gedanken darüber, dass sie eine Straftat begehen und welche Folgen diese Straftat für das Opfer hat. Ich denke, Kinder müssen im Elternhaus und in der Schule lernen, wie sie mit den neuen Möglichkeiten elektronischer Medien umgehen müssen. Ich spreche nicht über die Technik, da macht den Digital Natives niemand etwas vor. Ich spreche darüber, was im Netz erlaubt und was verboten ist, wie Kinder sich selbst vor Cybermobbing schützen können und wo die Grenze ist, an der sie andere verletzen.
SCHAU HIN!: Cybermobbing ist ein komplexes Thema, wie haben Sie sicher gestellt, dass der Film das Thema richtig darstellt?
Sandra Dujmovic: Wir haben von Anfang an mit dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg zusammengearbeitet. Die Zentralstelle Prävention und Jugendsachen spricht mit ihrem Projekt "Kids Online" Kinder und Jugendliche an, aber auch Eltern und Pädagogen. Cybermobbing ist da ein ein Schwerpunktthema. Der verantwortliche Projektleiter von „Kids Online“, Kriminalhauptkommissar Stefan Middendorf, hat als Fachberater die gesamte Produktion des Filmes begleitet.
SCHAU HIN!: Cybermobbing ist ein ernstes Thema, ein Internet Thema. Warum ist das ein geeignetes Thema für einen TV-Krimi?
Sandra Dujmovic: Kinder und Jugendliche orientieren sich häufig auch an sogenannten "Medienvorbildern". Und gerade junge Zuschauer reagieren viel eher auf fiktive Formate. Daher liegt es nahe, die Zielgruppen auf diesem Weg anzusprechen und ihnen mögliche Folgen vor Augen zu führen. „Netzangriff“ nutzt die erzählerische Kraft der Fiktion, indem er spannende Unterhaltung mit einem aktuellen Thema verknüpft, das von hoher Relevanz für Kinder und Jugendliche ist. Der Film beleuchtet nicht nur Opfer und Täter, sondern – und das finde ich sehr wichtig – bietet Handlungsmöglichkeiten, die schließlich zu einem guten Ende führen, also Lösungswege aus der Krise. Gutes Kinder-TV sollte auch Orientierung bieten und wenn es mit „Netzangriff“ gelingt, den Zuschauer zum Nachdenken anzuregen, um selbst Antworten zu finden auf die Frage, was zu tun und zu lassen ist, dann wäre schon viel erreicht.
SCHAU HIN!: Mit Richy Müller alias Tatort-Kommissar Lannert ist in „Netzangriff“ ein prominenter Ermittler am Werk …
Sandra Dujmovic: Richy Müller hat für unser Projekt sofort zugesagt und es hat den Kindern sehr viel Spaß gemacht mit so einem prominenten Profi zu drehen. Er ist im Umgang mit den Kindern als Partner authentisch, er hat sie ernst genommen, was Kinder und Jugendliche übrigens sehr schätzen.
Den ganzen Film sowie weiter Infos zu „Netzangriff“ gibt es auch im SWR kindernetz.



