TV-Anfänger anleiten
Kinder und Fernsehen
Fast jede Familie besitzt mindestens ein TV-Gerät, das besonders auf kleine Kinder faszinierend wirkt. Doch Kinder unter drei Jahren brauchen noch gar kein Fernsehen, in dieser Phase sind Hör – und Bilderbücher die bessere Alternative. Ab drei, vier, Jahren entdecken sie dann für sich etwas Neues in der Medienwelt. Von den bewegten Bildern mit Musik und Sprache sind sie fasziniert. Für Eltern stellt sich jetzt die Frage, wie sie ihre Kinder anleiten, denn richtig FernSEHEN müssen Kinder erst lernen. Eltern können schon in den ersten Jahren wichtige Grundsteine für die spätere Mediennutzung legen. Deshalb ist es jetzt ganz besonders wichtig, genau hinzuschauen und den richtigen Umgang mit TV und anderen Medien zu vermitteln.
Eltern sind Vorbilder
Auf Ihre Haltung kommt es an! Denn: Der Umgang mit dem Fernsehen beginnt noch bevor die erste Sendung startet. Eltern zeigen ihren Kindern durch ihr Verhalten, was Fernsehen für sie bedeutet: Läuft der Fernseher, auch wenn kleine Kinder im Raum sind? Ist der Fernseher an, wenn die Familie gemeinsam isst oder spielt? Dient das Fernsehen nur als Geräuschkulisse im Hintergrund oder schauen Eltern bewusst Sendungen an? Was passiert eigentlich nach einer Sendung? Ist es selbstverständlich, dass der Fernseher dann ausgeschaltet wird? Spricht man über das Gesehene?
Kleine Kinder halten das, was ihre Eltern ihnen vorleben, für den richtigen und normalen Umgang mit dem Fernsehen. Sie orientieren sich daran und übernehmen Gewohnheiten. Kinder ahmen das Verhalten der Eltern nach und nehmen sehr genau wahr, wie Eltern mit dem Fernsehen umgehen. Also auch hier gilt: Schauen Sie genau hin! Sie sind jedenfalls beim Fernsehen die wichtigsten Vorbilder für Ihre Kinder. Sie haben die spätere Entwicklung in der Hand.
Wie fange ich an?
Pädagogen empfehlen, nicht zu früh mit dem Fernsehen zu beginnen. Kinder unter drei Jahren brauchen kein Fernsehen. In diesem Alter sind Kinder ausreichend damit beschäftigt, die wirkliche Welt zu begreifen. Sie eignen sich neue Kenntnisse an und sammeln Erfahrungen. TV-Bilder sind oft interessanter als der Familienalltag, aber kleine Kinder können die Eindrücke nicht verarbeiten. Bücher oder Hörangebote sind hier die altersgerechte Alternative.
Wenn Ihr Kind beginnt, sich für das Fernsehen zu interessieren, braucht es Ihre Aufmerksamkeit und Begleitung. Schauen Sie gerade am Anfang sooft es geht gemeinsam mit Ihrem Kind. Nur so können Sie herausfinden, wie Ihr Kind auf das Fernsehen und bestimmte Sendungen reagiert. Das ist eine wichtige Grundlage für die weitere Medienerziehung. Und noch etwas: Interessiert sich Ihr Kind im Vorschulalter überhaupt nicht fürs Fernsehen, ist das in Ordnung. Ihm geht nichts verloren.
Weiter geht es Schritt für Schritt…
Fernsehen will gelernt sein!. Kinder müssen das, was eine Sendung ihnen bietet, erst entschlüsseln. Genau so, wie sie später Buchstaben und Zahlen lernen. Für TV-Einsteiger eignen sich deshalb DVDs, die speziell für die Altersgruppe der 3- bis 6-Jährigen kurze Filme oder Kinderserien anbieten. DVDs haben viele Vorteile: Eltern können sich die Inhalte vorher genau anschauen und beurteilen. Sie sind flexibel, wenn die Sendezeiten des Fernsehprogramms nicht in Ihren Familienrhythmus passen. Wenn der Film zu Ende ist, ist eben Schluss. Kindern fällt das Aufhören so leichter. Eine Übersicht aktueller, geeigneter Kinder-DVDs finden Sie z.B. bei Top-Videonews.de, dem Internetmagazin des Kinder- und Jugendfilmzentrums in Deutschland. Eine Alternative sind auch die Kinder-Onlineangebote von ARD Checkeins, ZDFtivi und Ki.KAplus, die Mediathek des KI.KA. Dort stehen viele Filme und Serien für Kinder zum Abruf bereit.
Haben Ihre Kinder inzwischen einige Erfahrungen mit dem Fernseher, wählen Sie für die Jüngeren nur spezielle Vorschulprogramme, in denen keine Werbung vorkommt. Erst im Grundschulalter können Kinder Werbefilme von anderen Programmen unterscheiden. Spezielle, werbefreie Sendungen für Vorschulkinder bietet beispielsweise der KI.KA. – der Kinderkanal von ARD und ZDF. Ein wichtiger Begleiteffekt, Sie machen die Fernsehlandschaft für Ihre Kinder überschaubar. Speziell für Vorschulkinder gibt es im KI.KA immer montags bis freitags von 6.50 Uhr bis 10.25 Uhr das KIKANINCHEN – ein Programmfenster mit Sendungen speziell für Fernsehanfänger.
Abschalten ist wichtig!
Kinder sind beim Fernsehen ganz bei der Sache. Mit Herz und Verstand. Deshalb brauchen alle Kinder nach dem Fernsehen Möglichkeiten, zur Ruhe zu kommen und das Gesehene für sich zu verarbeiten. Gerade wenn Kinder etwas sehr beschäftigt oder aufwühlt, ist es für sie wichtig, erst einmal „Dampf abzulassen“ und z.B. erst draußen zu spielen und dann mit Mama oder Papa darüber zu sprechen. Eltern können ihren Kindern so helfen, mit dem nötigen Abstand das Filmgeschehen zu verarbeiten. Wenn Kinder unmittelbar vor dem Schlafengehen fernsehen, fehlt dafür oft die Zeit. Lassen Sie den Tag lieber mit einer vorgelesenen Gute-Nacht-Geschichte oder einer Erzählrunde ausklingen.
Wie lange ist zu lang?
Wenn Ihr Kind beginnt, sich für das Fernsehen zu interessieren, sollten Sie es schrittweise heranführen. Starten könnten Sie etwa mit einer kurzen Kindersendung wie dem Sandmännchen, KIKANINCHEN, der Sendung mit dem Elefanten oder Jonalu. Das Sandmännchen richtet sich speziell an Fernsehanfänger und dauert nur wenige Minuten. Dennoch ist wichtig: Lassen Sie gerade am Anfang Ihr Kind nicht alleine fernsehen. Entdecken Sie gemeinsam die Möglichkeiten des TV. Sie werden sehen, das macht Spaß!
Es gibt keine Faustregel, wie lange ein Kind fernsehen sollte, aber pädagogische Empfehlungen:
Kinder im Alter von drei Jahren sollten zunächst nur ab und zu kurze Sendungen oder Filme zwischen 5 und 10 Minuten sehen dürfen. Auch tägliches Fernsehen wird für diese Altersgruppe nicht empfohlen. Wenn Sie bereits wissen, wie Ihr Kind auf die neue Erfahrung reagiert, spricht nichts dagegen, wenn der TV-Spaß schon mal 20 Minuten dauert - vorausgesetzt er ist altersgerecht. Vier- bis Fünfjährige können bis zu 30 Minuten am Tag fernsehen, am besten gemeinsam mit einem Erwachsenen.
Lassen Sie sich den Tagesablauf nicht vom Fernsehen vorschreiben. Zeichnen Sie Sendungen auf, wenn sie nicht in Ihren Zeitplan passen oder nutzen Sie die Kinder-Onlineangebote von ARD Checkeins und ZDF tivi. Es besteht kein Grund, alles stehen- und liegenzulassen. So lernen die Kinder, dass man die Art, die Menge und den Zeitpunkt der Mediennutzung selber bestimmen kann, statt sich die Zeiten vorschreiben zu lassen.
Aber Achtung: Selbst das beste Kinderprogramm sollte zeitlich nicht unbegrenzt laufen. Wichtig ist, dass Ihre Kinder von Anfang an lernen, dass Medien nicht die einzigen und vor allem nicht die wichtigsten Beschäftigungsmöglichkeiten sind. Bieten Sie immer wieder Alternativen zum Fernsehen an.
Sehen Sie das gemeinsame Fernsehen auch als Familienritual und machen Sie es zu einem besonderen Gemeinschaftserlebnis: Da dürfen Sie staunen, wenn Ihr Nachwuchs das Erkennungslied der Lieblingsserie mitsingt und zum TV-Dinner kann dann auch schon mal die Pizza aus dem Karton gemümmelt werden. Einmal im Monat Familienfilmtreff im Wohnzimmer, wie wär’s ?
Wichtig ist es, die Sendung als Anlass zu nehmen, mit den Kindern über das Gesehene zu sprechen. Kinder sind auch an Themen interessiert, die auf den ersten Blick ganz einfach erscheinen. Aber auch der Austausch mit den Eltern über Kleinigkeiten, z.B. über die Hosenfarbe des Hauptdarstellers, kann für Kinder wichtig sein. Entscheidend ist das gemeinsame Gespräch, das durch das gemeinsame Fernsehen entsteht.
Wie erkenne ich kindgerechte Sendungen?
Allgemein gilt bei Sendungen für Klein- und Vorschulkinder, dass sich spannende und entspannende Momente abwechseln sollten. Für Kinder dieses Alters ist es wichtig, dass die Sendungen nicht zu lang und die Schnitte nicht zu schnell sind. Gradlinige Geschichten mit einfacher Erzählweise und verständlicher Sprache eignen sich besonders gut. Die positive Botschaft oder ein Happy End sind wichtig – das zeichnet ein gutes Vorschulprogramm aus. Die Geschichten sollten mit einer überschaubaren Anzahl von Figuren auskommen sowie verständlich und anschaulich erzählt sein. Jüngeren Kindern fällt es noch schwer, komplizierte Handlungen mit Zeitsprüngen zu verstehen und mit Ironie können sie nichts anfangen, denn die verstehen sie nicht.
Fernsehanfänger schauen Sendungen sehr intensiv und fühlen sich in die Handlungen ein. Sendungen mit sympathischen Hauptfiguren, von denen sich Kinder angesprochen fühlen, sind deshalb besonders geeignet. Wenn dann die Bilder in ruhigem Wechsel aufeinander folgen, schnelle Schnitte, dramatische Musik und aggressive Dialoge vermieden werden, ist das Angebot für TV-Einsteiger passend.
Welche Themen sind kindgerecht?
Alles, was Ihre Kinder selbst beschäftigt, kommt in kindgerechten Fernsehsendungen vor. Wie Dinge funktionieren, mit denen wir im Alltag zu tun haben, “Großwerden“ und Probleme meistern, Freunde finden und mit ihnen auskommen - all das ist für Fernsehanfänger interessant. Bieten Sendungen außerdem Rätsel, Reime oder Lieder und laden Spiele zum Mitmachen ein, gewinnen sie für diese Zielgruppe besonders an Attraktivität.
SCHAU HIN! hat für Sie eine Reihe an Sendungen zusammengestellt, die sich speziell an 3-5-Jährige richten. Die Empfehlungen können Sie hier nachlesen.
Weitere hilfreiche Informationen für die Auswahl von Sendungen gibt der Programmratgeber FLIMMO. Er informiert Eltern über das laufende Fernsehprogramm, bewertet Sendungen und gibt Altersempfehlungen für die einzelnen Formate. In der Rubrik „Mein FLIMMO“ können sich Eltern einen eigenen Bereich einrichten. Dort kann das Fernsehprogramm nach passenden Sendungen durchsucht werden. Auch Programmzeitschriften wie die TV SPIELFILM bieten Altersempfehlungen für Kindersendungen.
Vorsicht Fernbedienung! Bei der Vielfalt der Programme, die heute zu empfangen sind, gibt es viele, die nicht für Kinder geeignet sind. Eine Fernbedienung gehört deshalb nicht in Kinderhände, denn beim Zappen können sie schnell auf solche Programme stoßen. Legen Sie die Fernbedienung an einen Ort, der für die Kinder nicht zu erreichen ist und lassen Sie Ihre Kinder nicht wahllos durchs Programm zappen.
Was sind ungeeignete Inhalte?
Bei Kindern ist es besonders wichtig, darauf zu achten, dass sie keine Formate schauen, die nicht altersgerecht sind. Sie sind schnell verängstigt, verstehen das Gezeigte nicht und können es nicht verarbeiten. Für Medienanfänger ist Fernsehen an sich etwas Neues. Sie müssen erst lernen, Bilder einzuordnen, Handlungen zu folgen und zwischen Wirklichkeit und Fernsehwelt zu unterscheiden.
Ungeeignete Inhalte sind insbesondere:
Gewalt – Realistisch dargestellte Gewalt erzeugt bei Kindern Angst. So sind Nachrichtensendungen für Erwachsene völlig ungeeignet für TV-Einsteiger. Auch wenn die Kinder nicht gezielt hinschauen, sondern sich während der Nachrichten nur im Zimmer aufhalten, bekommen sie möglicherweise Inhalte mit, die sie nur schwer verarbeiten können. Allerdings lassen sich Nachrichten, Krieg und Katastrophen nicht immer verbergen. Sie beherrschen zeitweise alle Medien und auch die Gespräche in der Familie. Erklären Sie Ihren Kindern, dass diese Ereignisse meist weit weg sind und sie zu Hause sicher.
Ungeeignet sind auch fiktionale Sendungen, in denen Macht und Stärke mit Gewalt durchgesetzt werden und dieses Verhalten zum Erfolg führt.
Wenn sich Ihr Kind fürchtet, wird es Ihre Nähe suchen oder sich die Augen zuhalten. Dann schalten Sie den Fernseher am besten aus und besprechen mit Ihrem Kind das Gesehene. Spannende Filme mit gruseligen Figuren oder Szenen mögen Kinder erst, wenn sie älter sind. Achtung bei Märchenfilmen: Hexen und Zauberer können nicht nur durch Schminke und Kostüme erschrecken. Manch böser Fluch oder ein realistisch dargestellter Ritterkampf kann für jüngere Kinder grausamer sein, als vermutet. Auch für dieses Genre gilt: Wenn überhaupt, dann schauen Sie in jeden Fall zusammen mit Ihren Kindern.
Werbung reizt Kinder vor allem durch stimmungsvolle Bilder, gepaart mit Witz und Humor und nicht selten durch die Mitwirkung ihrer Fernsehhelden. Ständige Wiederholungen von Slogans und die Musik spricht sie an. Auch junge Kinder haben Spaß an den kurzen Episoden, doch Fernsehanfänger kennen den Unterschied zwischen Fernsehprogramm und Werbung noch nicht. Verzichten Sie deshalb auf Programme mit Werbeunterbrechungen. Im öffentlich-rechtlichen Kinderprogramm gibt es keine Werbung. Es ist daher für Fernsehanfänger besonders zu empfehlen.
"Was mache ich, wenn..."
Eltern-Tipps für den Alltag mit TV-Anfängern
Für viele Eltern ist der Einstieg ihrer Kinder in die elektronische Medienwelt mit vielen Fragen verbunden. Hier schildern Eltern alltägliche Familiensituationen rund ums Fernsehen ihrer Kinder und ihre eigenen Wege, diese zu meistern.
Tipps für TV-Anfänger
Das Sandmännchen
Das Sandmännchen kennen viele Eltern noch aus der eigenen Kindheit...
Die Sendung mit dem Elefanten
Die Sendung mit dem Elefanten ist ein Unterhaltungsmagazin...
JoNaLu
Jo und Naya sind zwei kleine Mäuschen...
Die Sesamstraße
Ein weiterer Klassiker für Kinder ist die Sesamstraße...



