11.01.2012
SCHAU HIN! Experteninterview
SCHAU HIN! im Gespräch mit Gerlinde Schumacher: Welche medienbezogenen Risiken und Schutzbedarfe Eltern bei ihren Kindern laut einer Studie des ZDF und des Hans-Bredow-Insituts wahrnehmen und warum einige Ergebnisse überraschend sind.
SCHAU HIN!: Was sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie „Jugendmedienschutz aus Sicht der Eltern“?
Gerlinde Schumacher: Der Jugendmedienschutz hat hohe Relevanz bei den Eltern 3- bis 17-Jähriger in Deutschland. Sie sind sich darin einig, dass Kinder und Jugendliche vor möglichen negativen Einflüssen der Medien geschützt werden sollen – das gilt selbst für Eltern mit 16- bis 17-jährigen Kindern. Fast alle sind der Meinung, dass Angebote, die auf Kinder und Jugendliche eine beeinträchtigende Wirkung haben, nicht frei verfügbar sein sollten. Jugendmedienschutz geht für sie vor, auch wenn das für Erwachsene unbequem ist.
Die größte Gefahr für ihre Kinder sehen die Eltern in Bezug auf das Internet. Drei Viertel der Eltern äußern hier Sorgen. Besonders verbreitet sind Sorgen aufgrund von Gewalt, vulgärer Sprache sowie verstörender oder beängstigender Inhalte. Als besonders schwerwiegend erweisen sich Gewalt, Datenmissbrauch, finanzielle Abzocke, sexuelle Belästigung und Pornografie. Hier sorgen sich viele Eltern „sehr“. Die angesprochenen Sorgen beruhen auf tatsächlichen Erfahrungen. Gut die Hälfte der Eltern berichtet von unangenehmen Erfahrungen ihres Kindes in mindestens einem der genannten Bereiche.
Fast alle Eltern sehen vor allem sich als Vater und Mutter in der Verantwortung, wenn es um den Schutz der Kinder und Jugendlichen vor negativen Einflüssen der Medien geht. Aber die Mehrheit der Eltern sieht auch Computerhersteller, Fernsehveranstalter, Internetanbieter, Politik und Ministerien, die Internetgemeinschaft, Kindergärten und Schulen sowie Jugendämter und andere Behörden in der Mitverantwortung.
Zu den bekanntesten Jugendschutzmaßnahmen zählen die Altersangaben auf DVD’s und Spielen sowie die Ankündigungen im Fernsehen, dass eine Sendung für Kinder und Jugendliche nicht geeignet ist. Diese altersbezogenen Orientierungshilfen werden von den Erziehungsberechtigten häufig genutzt, während technische Möglichkeiten des Jugendmedienschutzes wie z.B. eine Jugendschutzsoftware selten eingesetzt werden. Sendezeitgrenzen im Fernsehen spielen aus Sicht der Eltern eine maßgebliche Rolle.
Aber auch der Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen messen Eltern eine große Bedeutung zu. Fast alle stimmen der Aussage zu: „Am besten sind Kinder und Jugendliche geschützt, wenn sie ausreichend über Risiken informiert sind und wissen, wie sie sich vorsehen können“.
SCHAU HIN!: Haben Sie die Ergebnisse der Studie überrascht?
Gerlinde Schumacher: Mich hat überrascht, mit welch großer Klarheit sich die drängendsten Probleme der Eltern zeigen: Es sind vor allem die 12- bis 13-Jährigen und das Internet, wo die Sorgen der Eltern kulminieren. Viele Gefahren sehen die Eltern der 12- bis 13-Jährigen häufiger als die anderen, so z.B. Datenweitergabe und –missbrauch (83%), versteckte Kosten (80%), Mobbing (76%), sexuelle Belästigung oder Pornografie (je 73%).
Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass Jugendliche in diesem Alter anfangen, ihre eigenen Wege zu gehen und Eltern immer weniger Einblick in und Kontrolle über die Mediennutzung ihrer Kinder haben. So zeigt die Studie auch, dass Eltern mit Kindern ab 12 Jahren sich deutlich weniger gut darüber informiert fühlen, welche Inhalte sie im Internet nutzen, als Eltern mit jüngeren Kindern. Der Informationsstand nimmt bei Eltern der 12- bis 13-Jährigen rapide ab. Das ist nicht verwunderlich, haben doch bereits 40% der 12- bis 13-Jährigen einen eigenen Internetzugang.
Gerlinde Schumacher ist Medienforscherin im ZDF, seit 15 Jahren verantwortlich für die Kinderfernsehforschung und hat die Studie „Jugendschutz aus Sicht der Eltern“ des ZDF in Zusammenarbeit mit dem Hans-Bredow-Institut betreut.
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