SCHAU HIN! Interview: Computerspielsucht

Games

07.09.2011

SCHAU HIN! Interview: Computerspielsucht

SCHAU HIN! im Gespräch mit Jannis Wlachojiannis, Projektleiter von „Lost in Space“, über Faktoren, die zu Computerspielsucht bei Kindern beitragen können und Maßnahmen, um übermäßigem Spielen vorzubeugen.

SCHAU HIN!: Spielen Sie selber gerne Computer- und Onlinespiele?

Jannis Wlachojiannis: Als Berater für Computer- und Internetsucht muss ich mich natürlich stets auf dem Laufenden halten. Am meisten erfahren wir aber von den Betroffenen über die Games. Aber hin und wieder spiele ich auch selber gerne mal.

SCHAU HIN!: Ab wann spricht man von Computerspielsucht?

Jannis Wlachojiannis: Für mich ist hierbei der Kontrollverlust ein sehr entscheidendes Kriterium. Also wenn der/die Betroffene nicht aus eigener Kraft aufhören kann und immer wieder Vereinbarungen (auch mit sich selbst) bricht. Weitere Anzeichen sind das Vernachlässigen von Pflichten und sozialen Kontakten und wenn sich der/die Betroffene auch in spielfreier Zeit gedanklich viel mit dem Computerspiel befasst.

SCHAU HIN!: Woran können Eltern erkennen, ob ihr Kind süchtig nach Computerspielen ist?

Jannis Wlachojiannis: Ich finde es wichtig einen Unterschied zwischen exzessivem Verhalten und Sucht zu machen. Exzessives Verhalten ist gerade in der Adoleszenz häufig zu beobachten und lässt wieder nach. Aus meiner Sicht ist es dabei nicht hilfreich in Suchtterminologie zu sprechen, da dieser Begriff negativ besetzt ist und auf Kinder und Jugendliche häufig erst einmal abschreckende Wirkung hat. Natürlich muss das Verhalten aber dennoch genau beobachtet und gegebenenfalls zuständige Suchtberatungen aufgesucht werden, sollte sich das exzessive Verhalten nicht ändern.

SCHAU HIN!: Was sind Faktoren, die bei Computerspielen süchtig bzw. abhängig machen?

Jannis Wlachojiannis: Ganz entscheidend sind die stetigen und leicht zu bekommenden Belohnungen. Dabei ist es egal welches Spiel man spielt, da alle nach diesem Prinzip funktionieren. Auch die schnelle und leichte Zugänglichkeit ist sehr entscheidend. Warum erst Freunde anrufen, sich verabreden dann zum Treffpunkt fahren, wenn so viel Spiel, Spaß und Spannung nur einen Klick weiter wartet? Bei Onlinespielen kommt noch eine starke soziale Komponente hinzu. Das Spiel tritt nach einiger Zeit in den Hintergrund, die Kontakte, die man in der Onlinewelt macht, werden immer wichtiger und ersetzen oft die fehlenden Kontakte im realen Leben. Computerspiele bieten vielen eine Flucht vor den Problemen im realen Leben. In den virtuellen Welten bekommen sie Anerkennung für ihre Leistungen und können sein, wer sie schon immer sein wollten.

SCHAU HIN!: Was können Eltern tun um Computerspielsucht schon bei jüngeren Kindern vorzubeugen?

Jannis Wlachojiannis: Es ist wichtig, ausreichend Alternativen zum Computerspielen zu bieten, Interessen und Stärken aufzugreifen und zu fördern oder nach Interessen des Kindes zu suchen. Es muss auch klare Regeln für die Mediennutzung geben. Erstaunlicherweise gibt es für so ziemlich alles klare Regeln, aber selten für die Mediennutzung. Nutzungsdauer und Inhalte sollten aber klar abgesprochen sein.

SCHAU HIN!: An wen können sich Eltern wenden, wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Kind übermäßig viel Computerspiele spielt?

Jannis Wlachojiannis: An Erziehungs- und Familienberatungsstellen der Jugendhilfe und an regionale Suchtberatungsstellen.

SCHAU HIN!: Ihr Tipp für Eltern? Was sollen sie im Umgang mit Computer- und Onlinespielen beherzigen?

Jannis Wlachojiannis: Ich halte es für sehr wichtig, Interesse für das Thema Computerspiele zu zeigen. Es geht dabei nicht um ein tiefgreifendes Verständnis, aber genauso wie man sich für andere Hobbies des Kindes interessiert, sollte man das auch für das Hobby Computerspiele tun. Computerspiele sind heutzutage ein Teil der Jugendkultur und sollten auch als solches anerkannt werden. Neben dem Interesse für Computerspiele allgemein, sollte speziell auf den Inhalt der Spiele der Kinder geachtet werden. Welche Altersfreigabe besitzt das Spiel? (http://www.usk.de/) Was ist der Inhalt des Spiels? Jugendschutz endet vor der Wohnungstür. Und auch wenn das Spiel eine Altersfreigabe besitzt, lohnt es sich dennoch sich einen kurzen Einblick in das Spiel zu verschaffen.

Jannis Wlachojannis ist seit Oktober 2006 Projektleiter von „Lost in Space“, der Beratungsstelle für Computerspiel- und Internetabhängige der Caritas Berlin. Das Beratungsangebot richtet sich an Betroffene sowie Angehörige, die Probleme im Umgang mit den Medien Internet und Computer haben.


Kontakt

Projektbüro SCHAU HIN!

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Johanna van Kisfeld
Tel.: 030 4000 599 59
Fax: 030 4000 599 99
E-Mail: info@schauhin-presse.de

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