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Aktuelles/Interview/Gespräch/Portrait

Prof. Dr. Wilfried Hendricks - Woran erkennt man gute Lernsoftware?

SCHAU HIN! im Gespräch mit Prof. Dr. Wilfried Hendricks, Leiter des IBI - Institut für Bildung in der Informationsgesellschaft, Berlin.

16.09.2007

Herr Hendricks, seit zwei Jahrzehnten engagieren Sie sich für das Lernen mit digitalen Medien, heute würde man auch sagen: mit Multimedia und Internet. Was überrascht Sie nach all den Jahren Multimedia noch.?

Es war und ist verblüffend, wie groß die Qualitätsunterschiede zwischen den Angeboten sind. Das müsste nicht sein und ist letztlich für den Verbraucher ärgerlich, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis zu oft nicht stimmt. Eigentlich gibt es für alle Entwickler erkennbar einen state of the art, der mindestens eingehalten werden könnte. Die großen Unterschiede zwischen den Angeboten sind zum einen dadurch erklärbar, dass nicht immer die notwendigen finanziellen Mittel von den Auftraggebern zur Verfügung gestellt werden, und zum anderen, dass auch das Know How der Entwickler sehr unterschiedlich ausgeprägt ist.

Wieso verblüffen Sie die Qualitätsunterschiede so? Diese Feststellung können Sie doch bei nahezu allen Produkten am Markt treffen, Medien machen da keine Ausnahme.

Da haben Sie natürlich Recht. Und betrachten wir nur den Medienmarkt, dann ist es müßig zu hoffen, alle Bücher, Filme, Fernsehproduktionen würden eines Tages qualitativ hochwertig angeboten. Abgesehen davon, dass über die Frage von Qualität immer gestritten wird. Aber ich denke, wir haben es hier mit einem anderen Sachverhalt zu tun. Wer Bildungssoftware kauft, der tut dies in der sicheren Erwartung, dass die Hersteller alles getan haben, um "handwerkliche Fehler" zu vermeiden und um ein Produkt nach allen Regeln der didaktischen und der technischen sowie der grafischen Kunst heraus zu bringen. Denn es geht nicht nur darum, dass man vielleicht zu viel Geld für ein schlechtes Produkt ausgegeben hat. Es geht auch darum, dass manchmal sehr viel Lernzeit verloren gehen kann. Und es geht schließlich darum, dass durch fehlerhafte Inhaltsauswahl, durch eine nachlässige didaktisch-methodische Gestaltung oder durch eine falsche mediale Aufbereitung der Lerninhalte sich der vom Nutzer erhoffte Lernerfolg einfach nicht einstellen kann.


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