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Artikel Detail
Aktuelles/Interview/Gespräch/Portrait

Dr. Maya Götz zum Start von Baby TV - "Kinder wollen die Welt begreifen"

Seit Dezember 2005 ist der Sender Baby TV für 1,1 Millionen Haushalte im Kabelnetz Baden-Württembergs frei empfangbar. In seinem Ursprungsland Israel gehört Baby TV zu den erfolgreichsten Pay-TV-Sendern. Das werbefreie 24-Stunden-Programm ist speziell für Kleinkinder zwischen dem 0. und 3. Lebensjahr konzipiert. Tagsüber will Baby TV Kinder und Eltern zu Aktivitäten motivieren, nachts glaubt man mit ruhiger Musik und Farbflächen den Schlaf der Kinder fördern zu können. SCHAU HIN! sprach mit der renommierten Kinderfernsehexpertin Dr. Maya Götz, Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) in München, über Sinn und Wirkung von Fernsehsendungen und die richtigen Fernsehregeln für kleine Kinder.

27.10.2007

Frau Dr. Götz, seit Dezember letzten Jahres gibt es in Deutschland den ersten 24-Stunden-Sender für Babys und Kleinkinder. Was sagt die Expertin für Kinderfernsehen dazu?

Von der Grundidee ist es ein Angebot für Eltern, die ein altersgemäßes Fernsehangebot für ihre Kinder suchen. In diesem Fall für sehr junge Kinder. In seinem Ursprungsland Israel hat dieser Sender eine bestimmte Funktion: In Israel gehören leider sehr erschreckende Bilder über die Folgen von Terroranschlägen und Kampfhandlungen zum Fernsehalltag. Hier ist es sinnvoll, sich einen Pay-TV-Kanal zu leisten, auf dem keine blutenden Menschen zu sehen sind. Für Israel kann ich noch verstehen, wenn Eltern für ihre Kinder - nicht aber Babys - ein Programm wünschen, in dem keine Schreckensnachrichten gezeigt werden.

Wie sieht es aber in Deutschland aus? Brauchen kleine Kinder, wir sprechen ja von den Jüngsten, ihren eigenen Sender?

So ein Sender ist vom Grundprinzip her einfach nicht sinnvoll. Für Kinder unter einem Jahr sind Fernsehbilder im Prinzip nur bunte Bilder, die vor sich hinflimmern. Irgendwann zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr fangen Kinder an, Sinn verstehend fernzusehen. Erst da beginnen sie, Teile der Handlung nachzuvollziehen. Vorher ist es einfach bunt und laut.

Davon unabhängig ist Fernsehen in diesem Alter nicht das richtige Medium: Kinder wollen die Welt im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. Das heißt, sie eignen sich die Welt an, indem sie anfassen, probieren, in den Mund stecken. Sie versuchen herauszubekommen, wie Dinge sind, wie sie schmecken, riechen und wie sie sich anfühlen. Und genau das ermöglicht ihnen Fernsehen nicht.

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