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Artikel Detail
Aktuelles/Interview/Gespräch/Portrait

Interview mit Dr. Maya Götz - Neuer Sender, mehr Vielfalt?

Seit September 2005 wirbt ein neuer Mitbewerber um die Gunst der jungen Zuschauer: Nick. Der durch Werbung finanzierte Sender aus dem Hause Viacom sendet 24 Stunden Programm. Ausgestrahlt werden hauptsächlich Cartoons und Serien. Die Inhalte stammen zum größten Teil aus den USA und Großbritannien.

Zum Sendestart von Nick befragte SCHAU HIN! die renommierte Kinderfernsehexpertin Dr. Maya Götz vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen in München. Bringt ein neuer Sender mehr Vielfalt? Was sollten Eltern beim TV-Genuss ihrer Kinder beachten?

27.10.2007


Frau Dr. Götz, was ist denn das Neue an Nick? Mit welchen Sendungen wartet Nick auf?

Die Sendungen, die bei Nick laufen werden, sind von der Tendenz an sich nicht problematisch. Es sind freche, kindgerechte, sehr erfolgreiche Sendungen. Sie sind aber zum großen Teil schon auf Super RTL gelaufen wie z.B. SpongeBob und Jimmy Neutron.


Also alles ganz unproblematisch?

Nicht ganz, denn Nick ist Teil eines globalen Netzwerks, das auf einen riesigen Pool von Programmen, die weltweit funktionieren, zugreifen kann. Da sind leider alle Ecken und Kanten abgeschnitten. Alle Formate sind mit Kindern getestet und so gestaltet, dass sie überall funktionieren. Im Kindermarkt spielt dabei Amerika den Knotenpunkt, den Filter, den alle Programme passieren müssen. Das heißt, alle Sendungen werden erst für den US-Markt amerikanisiert, zum Teil neu geschnitten und gehen dann in die Welt.


Und warum halten Sie das für problematisch?

Globale Sendungen bieten immer nur den kleinsten gemeinsamen Nenner. Nicks Programm spricht Kinderthemen an, und zwar gut, sehr gut gemacht. Das ist ja das Prinzip der Globalisierung. Es hat aber Nebenwirkungen.


Welche Nebenwirkungen sind das?

Durch diese Sendungen schleichen sich in die Welt unserer Kinder Vorstellungen, die sie in ihrer eigenen, realen Lebenswelt nicht wiederfinden. In diesen globalisierten Programmen sehen wir dann den US-Alltag und US-Schulen, und es laufen überall Cheerleader herum. In vielen Punkten ist Kindesentwicklung überall auf der Welt gleich: `Ich bin klein und ich muss wachsen und mich gegen Erwachsene durchsetzen.´ Aber es gibt eben auch regionale Unterschiede. Kultur und Lebenswelten sind global nicht identisch. Wir haben zwar mittlerweile auch in Deutschland Cheerleader. Aber warum müssen Mädchen den Jungs zujubeln, warum müssen sie für sie tanzen? Eigentlich sind bei uns Mädchen sehr viel stärker und spielen selbst Fußball.

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