zur Startseite
  • Aktuelles
  • Vorgestellt
  • Downloads
  • FAQ
Eine Seite für Eltern mit Kindern, die die Medienwelt entdecken.

Eine Initiative von
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Arcor AG & Co.KG
Das Erste
Zweites Deutsches Fernsehen
TV Spielfilm

Hotline-Nummer:030 - 4000 599 59Adresse:
Projektbüro "SCHAU HIN!"
c/o komm.passion GmbH
Luisenstraße 41
10117 Berlin
Artikel Detail
Aktuelles/Interview/Gespräch/Portrait

Maya Götz im Interview - Kinder und Humor

Anfang Mai 2006 traf sich die Welt des qualitätsorientierten Kinderfernsehens in München. Beim Prix Jeunesse International, dem weltweit renommiertesten Kinderfernseh-Wettbewerb, drehte sich in diesem Jahr alles um das Thema "Kinderhumor". SCHAU HIN! wollte von Dr. Maya Götz, Leiterin des Prix Jeunesse Festivals, wissen, was Kinderhumor und witziges Kinderfernsehen eigentlich ausmacht.

27.10.2007


Frau Dr. Götz, worin unterscheidet sich der Humor der Kinder von dem der Erwachsenen?

Kinder finden oft kleine visuelle Gags lustig. Sie haben einen viel konkreteren Humor, das heißt, sie lachen schon, wenn etwas lustig aussieht und sich etwas komisch anhört. Erwachsene hingegen amüsieren sich mehr über komische Handlungs¬entwicklungen oder intelligente Beiträge. Daher kommt es auch, dass Erwachsene und Kinder nicht selten über ganz unterschiedliche Gags lachen.


Und wie entwickeln sich diese Unterschiede im Humor?

Im Verlauf unseres Lebens lachen wir über ganz unterschiedliche Dinge. Wir finden eine Sache dann lustig, wenn mit dem Weltverständnis gespielt wird. Wenn sich etwas anders verhält, als wir es gewohnt sind oder wie wir es erwarten. Für kleinere Kinder ist es beispielsweise komisch, wenn eine Hose nicht an den Beinen getragen, sondern über den Kopf gezogen wird.

Wir Erwachsenen haben natürlich eine größere Lebenserfahrung. Die Hose auf dem Kopf lässt uns bestenfalls lächeln. Richtig lachen können Erwachsene zum Beispiel, wenn ihnen Komiker ihre eigenen Marotten vorführen. Unsere kindliche Fähigkeit, über die kleinen Dinge des Lebens zu lachen, verlieren wir häufig im Laufe unseres Lebens. Das liegt daran, dass unser Humor durch den Zugewinn an Lebenserfahrung komplexer wird.

Und dann ist das Kinderfernsehen für Erwachsene nicht mehr so komisch...

Über Kindersendungen können Erwachsene häufig gar nicht lachen. Aber das ist auch richtig so, denn Kinderfernsehen soll für Kinder lustig sein. Vielleicht würde es uns gut tun, wenn wir uns diesen konkreten Humor erhalten oder ihn wieder erlernen würden. Aber einige Sendungen sind auch für Eltern und Kinder unterhaltsam. "Die Simpsons" zum Beispiel haben eine Strategie entwickelt: die Doppelcodierung. In der Geschichte findet sich der erwachsenentypische Humor voller politischer Anspielungen, Sarkasmen und Ironie, für Kinder sind dann Bart oder Homer mit ganz konkretem visuellem Humor zuständig.


Wenn sich der Humor von Erwachsenen und Kindern schon unterscheidet, wie sieht es da bei Kindern aus unterschiedlichen Kulturen aus? Lachen Kinder weltweit über die gleichen Witze?

Nicht generell. Es gibt vieles, das für Kinder aus allen Kulturkreisen gleich lustig ist. Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass die meisten Kinder an denselben Stellen im Film lachen. Es gibt aber auch ganz deutliche Unterschiede. So finden es Kinder in Südafrika nicht lustig, wenn mit Essen geworfen wird oder ein Glastisch zu Bruch geht. Für deutsche Kinder ist das gar kein Problem.


Woher kommen diese Unterschiede?

Oft spielt Humor eben mit dem Tabubruch. Welche Tabus potenziell zu brechen sind und welche Dinge so stark tabuisiert sind, dass man darüber wirklich nicht mehr lachen kann, ist kulturell unterschiedlich. Ein nackter Hintern beispielsweise, an dem sich ein Mann kratzt, ist für Kinder in Deutschland, Skandinavien oder Belgien lustig, für Kinder in Ägypten hingegen nicht.

Viele Kinder mögen Pannenshows. Kommt bei Kindern Schadenfreude am besten an?

Ja, das ist richtig. Kinder lachen weltweit über diese Art von Fernsehhumor. Schadenfreude im eigentlichen Sinne des Wortes ist es dennoch nicht. Kinder lachen, wenn eine Situation komisch aussieht. Sie finden es lustig, weil sie davon ausgehen, dass nichts wirklich Schlimmes passiert. Dazu kommt, dass in diesen Shows mit Geräuschen und Musik gearbeitet wird. Hintergrundlacher und die Slap¬stick-Töne sollen uns vermitteln: Hier lachen alle, hier ist nichts Schlimmes passiert. Die Machart der Sendungen verhindert, dass wir mehr darüber nachdenken. Ethische und moralische Fragen werden da nicht gestellt.


Also alles ganz harmlos, wenn auch auf niedrigem Niveau? Was aber zeichnet Humor mit Qualität aus?

Wie bereits erwähnt, spielt Humor mit Grenzen. Aber gerade in Programmen, die auch Kinder mit ihren Familien sehen - nicht nur im Kinderfernsehen selbst - sollte mehr Sensibilität herrschen. Den Produzenten sollte klar sein, über wen sie ihr Publikum lachen lassen. Wünschenswert wäre ein Blick dafür, ob Menschen zu Schaden kommen - für Kinder ein wichtiger Faktor. Guter Humor schafft die Gratwanderung zwischen humorvollem Tabubruch und Verletzung. Ein Gefühl dafür, wie weit man gehen darf, ist eine der Voraussetzungen für guten Humor. Wo genau diese Gradwanderung verläuft, darüber sollten Fernseh-Produzenten nachdenken.


Speziell für das Kinderprogramm bedeutet das ...?

Nicht alles, was möglich und erfolgreich ist, ist auch Qualität. Die Tendenz, immer schneller, lauter und krasser zu werden, ist gerade für Kinder problematisch. Ein schönes Gegenbeispiel von qualitätvollem Humor, über den Kinder weltweit lachen, ist "Die Sendung mit der Maus".

Gefragt ist Humor, der den Spaß der Kinder an visuell dargestelltem Absurden würdigt und dennoch die Grenzen nicht überschreitet. Wenn es um die Frage geht, ob in einem Gag Menschen zu Schaden kommen dürfen, heißt die Antwort für Kinder immer nein.


RSS - immer aktuell informiert

Erhalten Sie immer die neusten Informationen der SCHAU HIN! - Initiative. Wählen Sie einfach eine der verfügbaren Kategorien und schon sind Sie stets aktuell informiert.

Zu den RSS-Feeds