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Artikel Detail
Aktuelles/Interview/Gespräch/Portrait

Gespräch mit DJ Bobo - Ich stehe voll und ganz hinter SCHAU HIN!

DJ Bobo unterstützt SCHAU HIN!. Mit SCHAU HIN! sprach der Schweizer Musiker im Interview über die Gründe für sein Engagement. Der Vater des zweijährigen Jamiro erzählt ausserdem von der Mediennutzung in seiner Familie, über erfüllte Kindheitsträume und seine gesellschaftliche Verantwortung als Prominenter.




03.11.2007

DJ Bobo, warum engagierst du dich für SCHAU HIN!?

SCHAU HIN! ist eine Aktion, bei der ich mich nicht künstlich verstellen muss, hinter der ich voll und ganz stehen kann. Ich habe einen zweijährigen Sohn. Da kommen die Probleme, auf die die Aktion SCHAU HIN! hinweist, schneller auf mich zu, als mir lieb ist. Im Moment ist es noch entspannt für mich: Wenn Jamiro ins Wohnzimmer kommt und der Fernseher läuft, sagt er: „Papi, aus!“ Das mache ich dann auch sofort.


Für Kinder ist es gefährlich, wenn sie viel und nicht altersstufengerecht Fernsehen. Welche Gefahren siehst du?

Mir ist eine Kindheitserinnerung förmlich ins Gehirn gebrannt. Als Sechsjähriger habe ich heimlich Aktenzeichen XY geschaut. Ich fand das so spannend, da ja alles auf wahren Tatsachen beruht. Es hat mich gefesselt. Aber es hat dazu geführt, dass ich jahrelang Angst vor der Dunkelheit hatte.


Davor hattest du Angst, aber vor Horror, Grusel und Action nicht?

Ich konnte klar unterscheiden zwischen Winnetou-Filmen und eben Aktenzeichen XY. Bei Winnetou wusste ich schon als Kind: das sind Schauspieler, da stirbt ja keiner in Wirklichkeit. Das haben mir meine Eltern erklärt. Im Nachhinein wäre ich froh gewesen, meine Eltern hätten mir das konsequenter verboten, bzw. sie hätten mich ertappt beim Anschauen der Sendung. Erlaubt hätten sie es ja nicht, sie wussten es bloß nicht.


Wie konntest du denn heimlich Fernsehen schauen, haben deine Eltern sich damals nicht vernünftig gekümmert oder nicht aufgepasst?

Meine Eltern konnten es nicht kontrollieren. Wir wohnten nämlich in einem alten Bauernhaus. Die Zimmer zum Kinderzimmer gingen in den Wohnraum über, in dem der Fernseher stand. Die Zimmer waren nur "verbunden" durch ein kleines Fenster. Und wenn ich auf dem Bett stand, konnte ich durchschauen und habe mir die ganze Sendung knallhart reingezogen.
Die meisten Medienforscher und Psychologen vertreten die These: Gewalt im Fernsehen ist schädlich für Kinder. Kurz gesagt: sie führt zu Aggressionen und falschen Weltbildern bei Kindern.

In meiner Jugend gab es diesen Zeichentrickfilm mit Roadrunner. Der schießt ja mit allem, was das Zeug hält, ballert mit Raketen usw., und der Coyote explodiert mehrmals in einem Film. Ich glaube, dass ein kleines Kind hierbei unterscheiden kann zwischen wahr und unwahr. Problematisch wird es erst, wenn "echte" Menschen, "echte" Gewalt anwenden. Wenn Filmblut spritzt, dann können Kinder nicht mehr unterscheiden. Bei diesen Filmen beginnt die Verantwortung der Eltern. Da müssen Eltern einschreiten und ihre Kinder kontrollieren.


Was durftest du als Zehnjähriger schauen, was du auch schauen wolltest?

Winnetou und die Waltons.


Wie harmlos!

Stimmt. Das ging erst später über in härtere Sachen. Ein Freund besaß damals VHS-Kassetten mit Kung-Fu Filmen. Die haben wir uns bei ihm zusammen angeschaut. Hinterher haben wir draußen die Filme zu Ende gespielt.


Mal ehrlich: dadurch sind keine Aggressionen zwischen euch oder ein anderes Mal, zum Beispiel auf dem Schulhof entstanden?

Bei mir nie. Ich war immer extremer Teamplayer. Hauen und Stechen war mir fremd.

"Es kommt die Zeit, da wird Jamiro es fordern, Fernsehen zu schauen. Dann werde ich natürlich kein uncooler Vater sein wollen, der nichts erlaubt."

Und da ist das Problem bei den meisten Familien. Haushalt, Berufstätigkeit - keiner hat Zeit und die Nerven, sich selbst mit dem Fernsehkonsum der Kinder auseinanderzusetzen.

Wir machen es so: Jamiro geht um 21 Uhr ins Bett, zugegeben, ziemlich spät für einen Zweijährigen. Aber er schläft dann auch bis 9 Uhr in der Früh. Bis 21 Uhr läuft der Fernseher bei uns zu Hause nie. Als Jamiro noch nicht auf der Welt war, lief TV den ganzen Tag nebenbei. Jetzt nutzen wir die Zeit bewusster, machen aktiv etwas mit dem Kleinen. Na gut, ich gebe zu, noch spucke ich große Töne. Es kommt die Zeit, da wird er es fordern, Fernsehen zu schauen. Dann werde ich natürlich kein uncooler Vater sein wollen, der nichts erlaubt. Aber ich weiss genau, was ich ihn sehen lassen werde.


Was?

Freunde haben mir eine gute Idee erzählt. Die werde ich evtl. übernehmen: Ihr Kind darf eine halbe Stunde pro Tag schauen, also eine fester Zeitrahmen. Das Kind wählt selbst aus dem Programm aus und lernt somit auch, früh verantwortlich mit dem Fernsehen umzugehen. Besonders schlimm, finde ich auch dieses Zappen.


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