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Eine Seite für Eltern mit Kindern, die die Medienwelt entdecken.

Eine Initiative von
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Hotline-Nummer:030 - 4000 599 59Adresse:
Projektbüro "SCHAU HIN!"
c/o komm.passion GmbH
Luisenstraße 41
10117 Berlin
Artikel Detail
Aktuelles/Interview/Gespräch/Portrait

Prof. Dr. Rita Süssmuth im Interview - Kinder und Medien

SCHAU HIN! im Gespräch mit Prof. Dr. Rita Süssmuth. Die ehemalige Bundestagspräsidentin ist seit 1988 auch Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbandes. Im Interview spricht sie über ihr Engagement als SCHAU HIN! Kuratorin.

03.11.2007

Warum haben Sie sich entschlossen, sich dem SCHAU HIN! Kuratorium anzuschließen und sich für die Initiative zu engagieren?

Unsere Welt wird heute von elektronischen Medien bestimmt; die Menschen haben nur wenig Zugang zu anfassbaren, sinnlich wahrnehmbaren Dingen. Es ist doch so: Die fiktive Welt wird immer mehr zur realen Welt. Da sehe ich eine fatale Entwicklung. Wenn ein Kind z.B. nie eine Kuh gesehen hat und nur die Simulation kennt!

Das zweite ist, dass oft Bilder vermittelt werden von der Erfüllung alltäglicher Wünsche. Eltern werden unter Druck gesetzt, das muss ich meinem Kind erfüllen. Modemarken, neueste Handys - ich muss es meinem Kind beschaffen.

Das dritte ist, Kinder sind mit einem Ausmaß von Gewalt konfrontiert, das nicht mehr erträglich ist. Es wird zwar immer wieder behauptet, das habe keinen Einfluss auf kindliches und jugendliches Verhalten. Aber Fakt ist, dass Gewalt unter Jugendlichen zunimmt in unserer Gesellschaft.

Wichtig für SCHAU HIN! ist die Frage, wie entsteht eine "Bildlandschaft", was gibt sie vor, wie kann ich zurückfinden zur Wirklichkeit, wie viel und was nutze ich von einem Medium? Eltern müssen in die Lage versetzt werden, Alternativen zu einem Überkonsum zu finden, sie müssen auswählen können, was sind gute und nicht gute Sendungen. Ganz wichtig: Wie verarbeitet mein Kind Sendungen und Medienkonsum, da muss ich das Kind begleiten und aktiv unterstützen.
Nutzungsmöglichkeiten und technische Entwicklungen von Medien wie Computer, Handy und Fernsehen - Eltern und Lehrer können aber oft gar nicht Schritt halten mit dem Tempo und wissen weniger als ihre Kinder.

Das ist sicherlich zutreffend. Wir erleben aber auf der anderen Seite auch, wie die Oma und der Opa von ihren Enkeln lernen. In der Frage der Mediennutzung und Bewertung, was das für Inhalte sind, da haben die Kinder diesen Wissensvorsprung nicht. Hier sind nach wie vor die Eltern gefordert zu beurteilen, was für ihr Kind gut ist, was nicht. Wir erleben Eltern, die sehr klar sagen können, was ihre Kinder sehen dürfen, wo der Internetzugang ermöglicht wird und wo hinterher über die Nutzung gesprochen wird. Damit sie das Erlebte mit dem Kind teilen. Hier sehe ich gerade die Volkshochschule in der Pflicht, Eltern bei dieser Aufgabe zu helfen.
Im Internet gibt es kaum Regularien und Selbstkontrolle.

Ein großes Problem. Das Internet ist ein völlig unbeherrschtes Medium, wenn es darum geht, die Selbstkontrollen wahrzunehmen. Das wäre möglich, ist aber aus Geschäftsgründen bisher nicht durchsetzbar gewesen.


Kann man an dieser Stelle überhaupt noch eine Entwicklung stoppen oder lenken?

Ich bin skeptisch. Nachdem allerdings die Gewalt unter und von Jungendlichen in den USA sichtbar zugenommen hat und daraufhin dort eine Diskussion losgetreten wurde, dass sie eine Bedrohung darstellt, ist vielleicht eine Tendenz gebrochen. Bis dahin gab es die Einstellung, keine Eingriffe, keine Regularien.


Was wünschen Sie sich von den Medien selbst?

Ich wünsche mir, dass die Medien selbst diese Aufgabe übernehmen. Es kann ja nicht sein, dass man sagt, über den richtigen Umgang mit Medien gebe es nur Bücher im Buchhandel, sonst nichts. Bestimmte Sendungen und Internetangebote müssen selbsterklärend und aufklärend sein. Es gibt schon Kindersendungen und kindgerechte Internetinhalte, die das in spielerischer Weise tun. Das muss noch viel weiter ausgebaut werden.

Mir ist besonders wichtig: Wenn Kinder einen Großteil ihres Alltags damit verbringen, Medien zu nutzen - ganz gleich ob aktiv oder passiv - sehe ich die erhebliche Gefahr, dass sie ihre sozialen Bezüge verlieren. Denn Medien ersetzen nicht die Menschen. Wir wissen, sowohl im Lernprozess wie auch in der menschlichen Entwicklung spielen die sozialen Bezüge, das Zusammensein mit Menschen, das Spielen mit Menschen, das Reden und Arbeiten mit Menschen eine zentrale Rolle, um der inneren Vereinsamung und der sozialen Isolation entgegen zu treten.
Sie haben selbst eine Tochter. Wie haben Sie es zu Hause gehandhabt mit der Mediennutzung, in erster Linie Fernsehen. Welche Regeln gab es?

Wir haben nie Verbote ausgesprochen. Unsere Tochter ist ein Einzelkind, vielleicht haben wir als Eltern ihr gerade deshalb viele Alternativen angeboten. Wir hatten oft spielende Kinder im Haus, haben ihnen Anleitungen gegeben zu spielen. Fernsehen haben wir in der Regel mit unserer Tochter zusammen geschaut. Allerdings sind wir eine Familie, die sehr wenig Fernsehen schaut.


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