Projektbüro "SCHAU HIN!"
c/o komm.passion GmbH
Luisenstraße 41
10117 Berlin
Gespräch mit Dr. Jan - Uwe Rogge - Eltern sind kompetenter als sie glauben
Dr. Jan-Uwe Rogge berichtet im großen SCHAU HIN! Gespräch über seine Arbeit als Erziehungsberater. Dabei betrachtet er das einzelne Kind in seinem jeweiligen sozialen Umfeld. Der Erziehungsberater hat festgestellt, dass Eltern in Fragen der Medienerziehung oft sehr unsicher seien. Solche Unsicherheiten führen aber, so Rogge, dazu, dass sich Eltern Fragen stellen. Das sei gut so, denn: Sich um die Beantwortung dieser Fragen zu kümmern, bedeutet immer auch, dass Eltern sich um die Probleme ihrer Kinder kümmern.
Seit vielen Jahren beraten Sie Eltern in Erziehungsfragen. Dabei haben sie festgestellt, dass sich ca. 70 % der Anfragen von Eltern mit Schulkindern vordringlich auf Schul- oder Hausaufgabenprobleme beziehen. Welche Rollen spielen in Ihren Beratungen die Medien und Mediennutzung?
Grundsätzlich muss man sagen, dass ich in meinen Beratungen immer auf die einzelne Familiensituation und auf das einzelne Kind eingehe. Ich muss den ganzen Menschen im Blick haben, denn man kann nicht einfach nur Medien- oder Umwelterziehung betreiben. So ist das Thema Medien eins unter vielen. Entscheidend für alle Fragestellungen ist z.B. das Alter des Kindes und in welcher Entwicklungsphase es ist. Wenn Kinder im Trotzalter sind, also zwischen 2 und 5 Jahren, fragen sich Eltern eher, wie sie mit den Wutanfällen ihres Kindes umgehen sollen. Im Altern von 5 bis 7 Jahren, also dem Ende der Kindergartenzeit/Beginn der Schulzeit, spielen Medien eine größere Rolle: Die Wünsche der Kinder nach Fernsehen werden intensiver, da die Fernsehgewohnheiten der Freunde mit einem Mal elterliche Normen und Werte berühren. Zwischen 11 und 13/14 Jahren, zu Beginn der Pubertät, spielt der Computer schon eine größere Rolle.
Medienerziehung ist also immer Teil der allgemeinen Erziehung eines Kindes und Jugendlichen.
""Es ist wichtig herauszufinden, welche Motivation ein Kind hat, wenn es ein Medium nutzt.""
Ja. Wenn ich zum Beispiel ein Seminar zum Thema Kinder und Fernsehen mache, haben Eltern viele Fragen zur Nutzung des Fernsehers. Recht bald geht es dann aber auch um "dahinter liegende" Fragen und Probleme; zum Beispiel, wie Eltern ihren Kindern Grenzen setzen und wie diese aussehen können.
Häufig fragen sich Eltern, warum ihr Kind bestimmte Videos oder viel Fernsehen guckt. Warum braucht es das?
Es ist wichtig herauszufinden, welche Motivation ein Kind hat, wenn es ein Medium nutzt. Ich betrachte das Kind dann in seiner Entwicklungsphase und die Mediennutzung im Kontext von alltäglichen Situationen. Dann versteht man häufig besser, warum ein Kind welches Medium wie nutzt. Dieser erste Ansatz hat den Nutzer im Blick.In den 70er Jahren haben Sie mit Kollegen die Sesamstrasse und andere Kindersendungen pädagogisch beraten. Damit wissen Sie sicher, was Kinder und Jugendliche wollen und was sie interessiert.
Mit der Sicherheit ist das so eine Sache. Man hat häufig ein statistisches Durchschnittskind im Kopf, seine Bedürfnisse, seine Wünsche, sein Entwicklungstempo. Aber Kinder schreiten ja nicht nur voran, und da fängt es dann an, schwierig zu werden. Manchmal gibt es in der Entwicklung einen Stillstand, manchmal sogar Rückschritte. Und hierbei können dann Medien eine ebenso begleitende wie hemmende Rolle spielen. Denn jedes Kind geht mit Medienangeboten unterschiedlich um.
Können Sie das einmal erläutern?
Zum Beispiel im Sinne von psychischer Entlastung, von Abtauchen in eine andere Welt; dies sind wichtige Effekte der Mediennutzung für die Kinder und Jugendlichen. Dabei muss man auch mal darüber nachdenken, wie Kinder überhaupt das Fernsehen oder Videos wahrnehmen. Geräusche und Musik sind sehr viel wichtiger, als man denkt. Das Hören, der Hörsinn zieht Kinder in den Bann. Ich denke, dass Kinder Fernsehen sehr viel häufiger "hören" als den Bildern zusehen. Neben Fernsehsendungen sind die Hörkassetten bei den 3- bis 7-Jährigen das meistgenutzte Medium, vor allem dann, wenn es um die Bereitstellung von Tagträumen geht. Seit etwa zehn Jahren gibt es viele auch qualitativ hochwertige Hörbücher, die zeigen, dass man das Hören wieder sehr ernst nimmt. Durch die neuen Techniken gibt es sehr viele Möglichkeiten, Spannung und Atmosphäre für das Kind zu erzeugen.







































