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Frühstarter: Internet im Vorschulalter

„Früh übt sich“ heißt es im Volksmund. Doch ist es auch schon sinnvoll, Kinder vor der Einschulung mit dem Internet vertraut zu machen? Susanne Schneider von der Universität Erfurt gibt im Interview mit SCHAU HIN! Antwort auf diese Frage. Zudem erfahren Eltern, welche Seiten für Kleinkinder besonders zu empfehlen sind.

 

01.07.2009

In welchem Alter sollten Kinder mit dem Internet vertraut gemacht werden?
Kinder im Vorschulalter nutzen heute bereits selbstverständlich unterschiedliche Medien, sind mit dem Telefon vertraut, hören Radio sowie Hörspiele auf CD und sie schauen im Durchschnitt über eine Stunde fern. In vielen Familien erleben heute schon kleine Kinder den Internetgebrauch ihrer Eltern, die Onlinebanking machen, Shoppen, Googlen oder Bilder mit den Großeltern austauschen. Bereits jedes Fünfte Kind im Alter von sechs bis sieben Jahren hat selbst Erfahrungen mit dem Internet und dessen Vorschulangeboten. Bei den Acht- bis Neunjährigen sind es bereits die Hälfte, die in ihrem Alltag mit Kinderseiten vertraut sind. Medien- und speziell Internetkompetenz spielen also bereits im Grundschulalter eine wichtige und zunehmend bedeutsamere Rolle. Viele Bildungspläne der Länder sehen auf Grund der aktuellen Entwicklungen der digitalen Medien indes die Entwicklung einer Medienkompetenz schon früher, für den Vorschulbereich, vor. Auch einige Anbieter, wie der WDR und Super RTL, halten inzwischen Webseiten für die Jüngsten vor. Besteht also bereits im Vorschulalter ein Interesse des Kindes am Internet, kann eine von den Eltern angeleitete erste Berührung erfolgen. Spätestens im Grundschulalter ist aufgrund der Durchdringung des kindlichen Alltags mit diesem Medium in Schule und Freizeit ein angeleiteter Internetbesuch sinnvoll und kann in vielen Bereichen auch notwendig sein. Entscheidend für das Einstiegsalter sind letztendlich der Entwicklungsstand sowie das Interesse des Kindes.

 

Worauf sollten Eltern beim Umgang der Kinder mit dem Internet besonders achten?
Eltern von unerfahrenen Kindern sollten die ersten Schritte im Internet mit ihren Kindern gemeinsam unternehmen. Es sollten nur Seiten aufgesucht werden, die speziell für das Alter des jeweiligen Kindes geeignet sind. Trotzdem ist das gemeinsame Erkunden der Seite von Kind und Erwachsenem vor allem im Vorschulalter wesentlich. Vorschulkinder können Webseiten, gerade zu Beginn, nur nutzen, wenn sie unterstützt werden, auch wenn die Seiten speziell für sie erstellt wurden. Auch Eltern älterer Kindern sollten den Internetbesuch begleiten, indem sie beispielsweise Kinderseiten als Startseite oder als Lesezeichen in die Favoritenliste des Browsers einfügen oder ihnen redaktionell betreute Kindersuchmaschinen, wie zum Beispiel „fragfinn“ oder „Blinde Kuh“, zeigen. Sehr wichtig ist der Schutz vor problematischen oder gefährdenden Inhalten durch die Installation einer Schutzsoftware.

 

Welche Internetangebote sind für Kinder im Vorschulalter zu empfehlen?
Geeignet sind vor allem Angebote, die keine Lesekompetenz erfordern beziehungsweise diese und den Erwerb weiterer Kompetenzen unterstützen. Gerade die Menüführung sollte visuell und auditiv mithilfe vertonter Texte erfolgen, wie es beispielsweise auf der Webseite des kleinen Elefanten vom WDR oder auch bei Flubidux der Fall ist. Hier gelingt es den Kindern schnell selbst aktiv zu werden, was ihnen Freude bereitet und auf diese Weise motiviert. Dem Spielen gilt das Hauptinteresse von Vorschulkindern. Daher sind Webseiten wie „toggolino“ von SuperRTL sehr beliebt. Hier finden sich vielfältige Lernangebote, die als Abonnement zwar kostenpflichtig, jedoch werbefrei sind. Da Kinder in diesem Alter noch nicht zwischen Werbung und redaktionellem Inhalt unterscheiden können, sollte dies auch Kriterium bei der Auswahl von Webseiten sein. Weiterhin sollte das Angebot so gestaltet sein, dass die jungen Kinder nicht über Links zu Webseiten für Erwachsene und so zu eventuell für sie ungeeigneten Inhalten gelangen.

 

Können kleine Kinder überhaupt schon einen Computer bedienen?
Sehr junge Kinder sind anfangs nicht in der Lage selbstständig einen Computer zu bedienen. Daher ist die Computer- und Internetnutzung bei Vorschülern nur gemeinsam mit den Eltern oder Erziehern empfehlenswert. Jedoch verbessern sich durch regelmäßigen Umgang die koordinativen Fähigkeiten von Hand und Auge genauso wie die Bedienkompetenzen. Da immer mehr Kinder ein Interesse an dieser für die Erwachsenenwelt entwickelten Technik haben, wird sie immer kindgerechter. Zum Beispiel wurden bereits Mäuse für Kinderhände entwickelt. Wenn beispielsweise eine Internetseite speziell für leseunkundige Vorschulkinder konzipiert wurde, können diese Kinder, mit Begleitung der Eltern, diese Seite mit Erfolg, Spaß und Lerngewinn benutzen.

 

Sind gesundheitliche Schäden zu befürchten, wenn Kinder bereits sehr früh anfangen, Computer und Internet zu nutzen?
Ob gesundheitliche Schäden, wie Muskel-Skelett-Verletzungen, die Entstehung von Übergewicht oder weitere Risiken eines bewegungsarmen Lebensstils, aber auch soziale Isolation zu befürchten sind, hängt eng mit der Intensität der Computernutzung zusammen. Studien zeigen, dass Kinder bis zu fünf Jahren durchschnittlich maximal 20 Minuten am Stück vor dem Computer verbringen. Zwar nimmt im fortgeschrittenen Alter die Intensität zu, jedoch bleibt das Spielen im Freien und Treffen von Freunden auf der Hitliste der Lieblingsbeschäftigungen vor der Computernutzung. Daher ist nicht von einer generellen Schädigung auszugehen. Wichtig ist, die Kinder bereits frühzeitig zu einer verantwortungsvollen Nutzung zu erziehen.

 

Gibt es bereits Untersuchungen darüber, wie viele Kinder im Vorschulalter schon online sind?
Ja, beispielsweise zeigte die 2003 durchgeführte von ARD und ZDF, dass drei Prozent der Drei- bis Fünfjährigen das Internet nutzen. In den USA waren es zeitgleich bereits 23 Prozent. Hier war innerhalb von drei Jahren ein Anstieg um 16 Prozent zu verzeichnen, der mit der verbesserten Ausstattung der Kindertageseinrichtungen zusammenhängt. Ferner findet sich im englischsprachigen Raum eine Vielzahl adäquater Onlineangebote für diese Altersgruppe. Es ist davon auszugehen, dass aufgrund der gesellschaftlichen und bildungspolitischen Entwicklungen auch im deutsprachigen Raum immer mehr Kinder im Vorschulalter online gehen werden. Daher spielt bereits jetzt die Entwicklung einer Medienkompetenz in der frühen Kindheit eine wichtige Rolle.

 

Zur Person
Susanne Schneider ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Professur „Lernen und Neue Medien, Kindheit und Schule“ von Prof. Fuhs am Institut für Grundschulpädagogik und Kindheitsforschung der Universität Erfurt.


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