SCHAU HIN! Experteninterview: Kinder und Internet
Chats, soziale Netzwerke oder Messenger – Kinder bewegen sich heute ganz unbeschwert im Netz. Eltern sind hingegen oft unsicher, inwieweit das Internet auch Gefahren für die Kinder mitbringen kann. Medienpädagogin Andrea Kallweit von Klick-Tipps.net gibt im Interview mit SCHAU HIN! Antworten dazu.
Wie kann ich meinem Kind helfen?
Die ersten Schritte ins Internet sollten immer von den Eltern begleitet werden. Suchen Sie eine schöne bunte Internetseite, die dem Alter Ihres Kindes entspricht. Es reicht ein einfaches Spiel, ein leichtes Quiz oder eine Malvorlage zum Ausdrucken. Wenn das Kind älter ist, braucht es mehr Freiraum. Dann ist es sinnvoll, gemeinsam einige gute Kinderseiten festzulegen, auf denen das Kind sich wohl fühlt. Auch ein sicherer Kinderchat sollte gemeinsam ausgesucht werden, damit das Kind sich nicht auf den Erwachsenen-Seiten verliert.
Kann Internet eine Sucht für Kinder werden?
Kinder sind kleine Entdecker und erfahren im Internet viel Neues. Sie können mit Gleichaltrigen in Kontakt treten, fühlen sich akzeptiert und sie können dort gemeinsam spielen. Besonders Kinder, die sich zuhause meist alleine beschäftigen müssen, sind deswegen manchmal mehrere Stunden täglich im Internet. Falls Kinder aus Sicht der Eltern zuviel Zeit vor dem Computer verbringen, sollten gemeinsam Regeln ausgemacht werden. Dazu gehört: Zuerst müssen die Hausaufgaben gemacht werden und etwas Mithilfe im Haushalt. Wichtig ist auch, dass genug Zeit für Freunde und andere Hobbys wie Sport bleibt.
Sollte Internet für Kinder verboten werden?
Im Gegenteil: Internet muss gelernt werden wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Bereits Kleinkinder beobachten genau, wie die Eltern und Geschwister mit dem Computer umgehen, ob sie ihm aufgeschlossen oder ablehnend gegenüber stehen. Wenn Kinder sich mit dem Internet beschäftigen, wird ihre geistige Entwicklung gefördert. Sie lernen, vernetzt zu denken, mit der Technik umzugehen und die Inhalte kritisch zu hinterfragen. Das hilft ihnen später in der Schule und im Beruf.
Habe ich eine Kontrolle, dass sie nicht auf allen Seiten stöbern können?
Die beste Kontrolle ist Vertrauen und Da-Sein. Das Kind muss seinen Eltern erzählen können, wenn ihm etwas im Internet unangenehm ist oder Angst macht. Gefahren wie Sex- und Gewaltseiten, Viren, unlautere Werbung und belästigende Erwachsene in Chats können Kinder noch nicht alleine bewältigen. Bis zum Alter von etwa 12 Jahren sollten sie deswegen nicht unkontrolliert surfen. Es gibt Filterprogramme, die zwar noch nicht befriedigend arbeiten, aber besser sind als gar nichts zu tun. Im Internetexplorer können Eltern gezielt Seiten sperren oder gute Seiten zulassen. Und richten Sie als Startseite ein gutes Kinderangebot ein, z.B. www.klick-tipps.net, bei dem jede Woche interessante Themen erscheinen und verlinkt werden. Auch eine Kindersuchmaschine eignet sich dafür: www.blinde-kuh.de, www.fragfinn.de oder www.helles-koepfchen.de.
Wie viel Internet tut meinem Kind gut?
Internet ist weder Babysitter noch Schule. Kleine Kinder sollen nicht allein und nicht mehr als 30 Minuten vor dem Computer sitzen. Ein Spiel muss mehrfach wiederholt und die einzelnen Schritte erklärt werden. Grundschulkinder können bereits mehr Eindrücke verarbeiten. Aber auch hier gilt: nicht täglich und nur ausnahmsweise mal am Wochenende mehr als eine Stunde. Und natürlich dann entsprechend weniger Fernsehen bzw. Computer spielen.
Welche Seiten empfehlen Sie?
Ein guter Start ist www.seitenstark.de. Das sind 35 Internetseiten, die alles bieten, was das Kinder-Internetherz begehrt. Immer etwas Neues findet sich auf den Internetseiten der TV-Sender, z.B. www.tivi.de oder www.kindernetz.de.
Klick-Tipps.net
- Was ist Klick-Tipps.net und für welche Altergruppe ist es gedacht?
Bei www.klick-tipps.net werden jede Woche drei spannende Themen mit guten Surftipps veröffentlicht: zum Beispiel zu Schulthemen, Sportergebnissen, politische Themen wie Wahlen in Europa, aber auch lustige Online-Spiele. Alle Links führen zu kindgerechten Seiten, die verständlich geschrieben und bunt gestaltet sind. In unserer Kinderredaktion lassen wir Kinder die Internetseiten bewerten, damit wir wissen, was 6- bis 13-Jährige spannend finden. „Klick-Tipps.net – Kinder surfen, wo’s gut ist!“ ist ein Projekt von jugendschutz.net und der Stiftung MedienkompetenzForum Südwest. - Was ist das Besondere an Klick-Tipps.net?
Klick-Tipps.net macht gezielt gute Kinderseiten bekannt. Und zwar nicht nur auf der eigenen Internetseite. Per RSS und I-Frame werden die Klick-Tipps auf über 150 Internetseiten angeboten: zum Beispiel bei T-Online/Kids, auf Schulhomepages und Städteportalen. Das ist absolut einmalig an Klick-Tipps.net. Jeder Internetanbieter kann die Klick-Tipps kostenlos und technisch einfach in seine eigene Internetseite einbinden. Er hat so ein aktuelles und gutes Angebot für Kinder ohne eigenen Geld- und Zeitaufwand (Infos auf www.klick-tipps.net > buchen). Und das Kind findet von vielen Stellen aus im Internet schnell und direkt zu „seinen“ Seiten. - Gibt es auch etwas Vergleichbares für Jugendliche?
Jugendliche benötigen einen größeren Freiraum und lassen sich nicht gerne einengen. Deswegen ist Vertrauen und Interesse der Eltern am Internetkonsum der Heranwachsenden nun besonders wichtig. Es gibt viele spezielle Seiten für Jugendliche, wie z.B. www.scoolz.de, www.lizzy.net (für Mädchen) oder www.netzcheckers.de, die altersgerechte Themen aufgreifen.
Zur Person:
Andrea Kallweit ist Medienpädagogin. Sie erstellt die Broschüre des Bundesfamilienministeriums „Ein Netz für Kinder – Surfen ohne Risiko?“ und arbeitet im Team von „Klick-Tipps.net – Kinder surfen, wo’s gut ist!“. Ihren 13-jährigen Sohn begleitet sie immer wieder einmal auf seinen Surf-Ausflügen im Netz.




