02.07.2012

Die Faszination von Castingshows – 1/3

Deutschland ist immer auf der Suche, sei es nach dem neusten Supertalent oder dem nächsten Topmodel. Doch wie geeignet sind diese Castingshows für Kinder und wie können Eltern damit umgehen! Lesen Sie unser Experteninterview und Tipps.

Die Faszination von Castingshows

Castingshows gehören mittlerweile zum festen Bestandteil der Fernsehkultur und sind besonders bei den jüngeren Zuschauern beliebt. Beiratsmitglied Prof. Dr. Sandra Fleischer spricht mit SCHAU HIN! über die Faszination und Wirkung von Castingshows auf Kinder und wie Eltern damit umgehen können.

Welchen Einfluss haben die vielen Castingshows auf Kinder und Jugendliche?

Um diese Frage zu beantworten, bedarf es weiterer vertiefender Forschung. Sicher ist, die Rezeption der Sendungen und eine damit verbundene Kommunikation mit Freunden ist insbesondere für ältere Kinder/jüngere Jugendliche von großer Bedeutung. Die aktuellen Shows sind Schulhofgespräch und da mitreden zu können,  ist wichtig.
Die Sendungen sind jedoch auch sozialisationsrelevant. Denn die Kinder und Jugendlichen tragen auch an diese Sendungen ihre Fragen heran. Die Sendungen liefern ihnen Anregungen, um sich unter anderem mit folgenden Fragen auseinanderzusetzen: Was ist Erfolg? Wie werde ich beliebt? Was ist schön? Was kann ich erreichen? Was mache ich später beruflich? Wie gehe ich mit Konkurrenz um? Wie löse ich Konflikte? Welche Orientierungen sie letztendlich den Sendungen entnehmen,  kann pauschal nicht beantworten werden. Jede Medienaneignung ist individuell, abhängig von den bereits gemachten Erfahrungen und der Fähigkeit zur kritischen Rezeption der Sendungen. Ist der Zuschauer in der Lage, die Sendungen als Inszenierung mit Unterhaltungspotential zu erkennen und hinterfragt er kritisch – auch wenn er über Blamagen und Sprüche von Dieter Bohlen erst mal lacht – wie mit KandidatInnen umgegangen wird und wie es den KandidatInnen in der Situation, auf einer solchen Bühne oder eben bei einem Shooting überhaupt geht, dann ist eine distanzierte Rezeption möglich. Dann wird eine Unterhaltungssendung genau als solche erlebt. Eine von JugendschützerInnen befürchtete Desorientierung hinsichtlich der eigenen Werte ist dann eher unwahrscheinlich. Bei jüngeren Kindern mit weniger Medienerfahrung und einer weniger ausgeprägten Fähigkeit der kritischen Hinterfragung des Gezeigten sowie der eigenen Zuwendungsmotive ist es eher möglich, dass die Sendungen für die Realität gehalten werden und dass die gezeigten Verhaltensweisen eine größere Bedeutung für die Kinder erlangen. So ist es beispielsweise möglich, dass verzerrte Vorstellungen über das Showbusiness und die Arbeit und den Weg von Models entstehen, gerade weil Kinder zu diesen Bereichen keine Vorerfahrungen haben.

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